Vom Daddeldu

Es gibt Wörter, die machen einen einfach glücklich. Seitdem ich in Oldenburg lebe und mir die plattdeutsche Sprache vertrauter wird, lerne ich ab und an neue Begriffe, die mich zum Schmunzeln bringen. Poggenstohl zum Beispiel. Zusammengesetzt aus den Worten »Pogg« (Frosch) und »Stohl« (Stuhl), demnach ein »Froschstuhl«, handelt es sich um eine bildhafte Benennung für einen Pilz. Oder bregenklöterig: So nenne ich mich selbst oder andere gern an besonders verwirrten Tagen. Das Wort setzt sich aus »Bregen« (Gehirn oder Kopf) und »klöterig« (klapperig, lose) zusammen und beschreibt herrlich treffend das Gefühl, wenn im Kopf gerade nichts mehr richtig zusammenhält.

Denn Niederdeutsch ist eine sehr bildhafte, anschauliche und prägnante Sprache. Sie zeichnet sich durch humorvolle, bodenständige und oft verblüffend genaue Ausdrücke aus, die alltägliche Situationen, Gegenstände oder Charaktereigenschaften metaphorisch beschreiben.

Mein persönliches Lieblingswort aus diesem sprachlichen Schatz aber lautet: Daddeldu. Was bedeutet es? Der Journalist Markus Weise erklärte dazu bei Bremen Eins, »Daddeldu« bedeute so viel wie »nun ist genug« oder »es reicht für heute«. Ebenso gibt es die Theorie, dass das Wort aus dem Englischen entlehnt sein könnte, wobei sich der Sprech von den Seeleuten aus Sätzen wie »That will do« entwickelt hätte. Der Schriftsteller Joachim Ringelnatz brachte bereits 1923 den gut gelaunten Seemann Kuttel Daddeldu zu Papier, welcher seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen erzählt. Der Seemann beginnt mit den Worten: »Also Kinners, wenn ihr mal fünf Minuten lang das Maul halten könnt, dann will ich euch die Geschichte vom Rotkäppchen erzählen, wenn ich mir das noch zusammenreimen kann. Der alte Kapitän Muckelmann hat mir das vorerzählt, als ich noch so klein und so dumm war, wie ihr jetzt seid. Und Kapitän Muckelmann hat nie gelogen. Also lissen tu mi. Da war mal ein kleines Mädchen. Das wurde Rotkäppchen angetitelt«. Eine schönere Verkörperung für dieses – zumindest für mich – schönsten plattdeutschen Wortes könnte ich mir gar kaum vorstellen. Wie man es auch dreht und wendet »That will do«, »es reicht«, das bedeutet vor allem eines: Feierabend. Denn die Spielzeitpause ist bereits nahe, in der sich alle Mitarbeitenden des Theaterbetriebes ihren wohlverdienten Urlaub nehmen können. Daher will ich an dieser Stelle ein Gedicht nicht vorenthalten, welches mir vom »Poetomat« auf Wunsch angefertigt wurde: 

»Daddeldu,

ik mok min 

Kopp nu zu. 

Ik mok ne Pulle 

auf, ik geh den

Deich hinauf

und lass der Welt ihren 

Verlauf.«

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Juni/Juli 2025/26. (08.06.2026).