Mit Yoga zu einem neuen Blick auf Kunst

Kunstvermittlerin Vanessa Reis lädt Besucher:innen dazu ein, Kunst achtsam und ohne Hemmschwellen zu erleben

Die Holzdielen im Prinzenpalais knarzen, ein Luftentfeuchter brummt leise, während es sich die Teilnehmenden auf ihren Yogamatten vor einem großformatigen Gemälde bequem machen. Kunstvermittlerin Vanessa Reis beginnt ihre geführte Yogastunde. Alle sollen das Bild gut sehen können, denn genau darum geht es heute.

Die studierte Kunst- und Medienwissenschaftlerin entwickelte das Format 2018 für den Kunstverein Oldenburg, während sie ihre Ausbildung zur Yogalehrerin absolvierte. „Wir haben überlegt, was man machen könnte, um Menschen ins Museum zu bringen, die vielleicht kein Interesse an einer klassischen Führung haben oder für die der Besuch eines Museums beziehungsweise Kunstvereins eine Hürde darstellt“, erinnert sich Reis. Die zentrale Idee: Kunst aus einer neuen Perspektive erfahrbar machen. Anfangs wurde das Format durch Meditationen begleitet, später kamen gezielt Yogaübungen hinzu.

Dabei ist der freiberuflichen Yogalehrerin und Kunstvermittlerin besonders wichtig, dass Yoga im Museum nicht bloß ein Kurs an einem ungewöhnlichen Ort bleibt. Vielmehr soll stets eine Verbindung zwischen den Teilnehmenden und dem jeweiligen Kunstwerk entstehen. „Die Stunde ist immer so aufgebaut, dass sie einem bestimmten Thema folgt, das sich auch in den Werken widerspiegelt“, erklärt Reis.

So orientiert sich die Yogastunde rund um das Gemälde „Birkenwald im Frühling“ an Begriffen wie Stabilität, Erdung und weiteren Assoziationen zum Motiv des Baumes. Die eigentliche Kunstvermittlung setzt sich anschließend im gemeinsamen Gespräch fort: Nach der Yogastunde nehmen sich alle Zeit, das Werk intensiv zu betrachten und ihre Eindrücke zu reflektieren. Selten bietet sich im Museum die Gelegenheit, so lange und aufmerksam vor einem einzelnen Gemälde zu verweilen.

„Es ermöglicht einem, ein Gemälde so anzuschauen, als hätte man noch nie zuvor eines in einem Museum gesehen“, betont Reis, die seit mehr als zehn Jahren in der Kunstvermittlung tätig ist. „Und im besten Fall ist das keine Ein-Personen-Show, sondern ein Austausch zwischen den Teilnehmenden und mir, bei dem wir ganz unvoreingenommen über unsere Eindrücke sprechen.“ Nach ihrer Erfahrung fällt es vielen Menschen schwer, über Kunst zu sprechen, weil sie befürchten, ihre Gedanken seien nicht intellektuell oder ausgereift genug. Gerade der gemeinsame Austausch zeige jedoch das Gegenteil. „Ich möchte nicht, dass Menschen nur deshalb in eine Ausstellung oder Führung gehen, weil man etwas gesehen haben muss“, sagt Reis. „Sondern dass sie dort hingehen und wirklich etwas für sich mitnehmen.“

Aktuell findet das Format im Prinzenpalais etwa einmal pro Halbjahr statt. Bei entsprechender Nachfrage könne sie sich jedoch vorstellen, die Veranstaltung häufiger anzubieten. Die Buchung erfolgt über die Website des Landesmuseums. Der nächste Termin ist am 28. Juni um 16 Uhr.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Mai 2026. (14.05.2026).

Vom Daddeldu

Es gibt Wörter, die machen einen einfach glücklich. Seitdem ich in Oldenburg lebe und mir die plattdeutsche Sprache vertrauter wird, lerne ich ab und an neue Begriffe, die mich zum Schmunzeln bringen. Poggenstohl zum Beispiel. Zusammengesetzt aus den Worten »Pogg« (Frosch) und »Stohl« (Stuhl), demnach ein »Froschstuhl«, handelt es sich um eine bildhafte Benennung für einen Pilz. Oder bregenklöterig: So nenne ich mich selbst oder andere gern an besonders verwirrten Tagen. Das Wort setzt sich aus »Bregen« (Gehirn oder Kopf) und »klöterig« (klapperig, lose) zusammen und beschreibt herrlich treffend das Gefühl, wenn im Kopf gerade nichts mehr richtig zusammenhält.

Denn Niederdeutsch ist eine sehr bildhafte, anschauliche und prägnante Sprache. Sie zeichnet sich durch humorvolle, bodenständige und oft verblüffend genaue Ausdrücke aus, die alltägliche Situationen, Gegenstände oder Charaktereigenschaften metaphorisch beschreiben.

Mein persönliches Lieblingswort aus diesem sprachlichen Schatz aber lautet: Daddeldu. Was bedeutet es? Der Journalist Markus Weise erklärte dazu bei Bremen Eins, »Daddeldu« bedeute so viel wie »nun ist genug« oder »es reicht für heute«. Ebenso gibt es die Theorie, dass das Wort aus dem Englischen entlehnt sein könnte, wobei sich der Sprech von den Seeleuten aus Sätzen wie »That will do« entwickelt hätte. Der Schriftsteller Joachim Ringelnatz brachte bereits 1923 den gut gelaunten Seemann Kuttel Daddeldu zu Papier, welcher seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen erzählt. Der Seemann beginnt mit den Worten: »Also Kinners, wenn ihr mal fünf Minuten lang das Maul halten könnt, dann will ich euch die Geschichte vom Rotkäppchen erzählen, wenn ich mir das noch zusammenreimen kann. Der alte Kapitän Muckelmann hat mir das vorerzählt, als ich noch so klein und so dumm war, wie ihr jetzt seid. Und Kapitän Muckelmann hat nie gelogen. Also lissen tu mi. Da war mal ein kleines Mädchen. Das wurde Rotkäppchen angetitelt«. Eine schönere Verkörperung für dieses – zumindest für mich – schönsten plattdeutschen Wortes könnte ich mir gar kaum vorstellen. Wie man es auch dreht und wendet »That will do«, »es reicht«, das bedeutet vor allem eines: Feierabend. Denn die Spielzeitpause ist bereits nahe, in der sich alle Mitarbeitenden des Theaterbetriebes ihren wohlverdienten Urlaub nehmen können. Daher will ich an dieser Stelle ein Gedicht nicht vorenthalten, welches mir vom »Poetomat« auf Wunsch angefertigt wurde: 

»Daddeldu,

ik mok min 

Kopp nu zu. 

Ik mok ne Pulle 

auf, ik geh den

Deich hinauf

und lass der Welt ihren 

Verlauf.«

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Juni/Juli 2025/26. (08.06.2026).

Solidarität mit Kuba

Benefizfestival im Marvin’s setzt ein Zeichen gegen die Blockade

Das Verhältnis zwischen den USA und Kuba bleibt auch mehr als 60 Jahre nach Beginn des Embargos angespannt. Die US-Regierung hält an weitreichenden Wirtschafts- und Finanzsanktionen fest, die den Handel und internationale Finanzgeschäfte Kubas erheblich erschweren. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Krise auf der Insel machen viele Solidaritätsinitiativen die jahrzehntelange Blockadepolitik mitverantwortlich für Versorgungsengpässe bei Medikamenten, Treibstoff und technischen Gütern. Aus Sorge um die aktuelle Entwicklung und als Zeichen der Solidarität mit der kubanischen Bevölkerung findet am Samstag, den 13. Juni, ab 15 Uhr im Marvin’s (Rosenstraße 6) das Kuba Soli Benefiz Festival statt. Der Eintritt ist frei, stattdessen werden Spenden für Kuba-Solidaritätsprojekte gesammelt, wie unter anderem „Cuba Sí“, eine Arbeitsgemeinschaft der Partei Die Linke, die sich für politische und materielle Solidarität mit dem sozialistischen Kuba engagiert, insbesondere durch Landwirtschafts- und Gesundheitsprojekte sowie das Zusammenstellen und Liefern von Spendencontainern. Für die Veranstaltung wurde ein Spendenkonto eingerichtet, auf das über einen QR-Code überwiesen werden kann. 

Die Idee für das Festival entstand aus persönlicher Betroffenheit, berichtet Organisator des Festivals Frank Pempe. Nach einer Kuba-Reise im vergangenen Jahr habe ihn die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation auf der Insel und die Auswirkungen der US-Politik dazu bewegt, selbst aktiv zu werden. Besucherinnen und Besucher erwartet neben Live-Musik und Essen auf dem Benefizfestival auch ein Informationsprogramm mit aktuellen Berichten von Kuba-Reisenden, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Über die organisatorische Arbeit berichtet Pempe: „Es macht Spaß. Es kommt ganz viel zurück. Wir wollen einen schönen Tag haben.“

Das Kuba Soli Benefiz Festival wird am Nachmittag von der „Poly Session Group“ eröffnet und leitet damit einen vielfältigen musikalischen Tag ein. Im weiteren Verlauf folgen unterschiedliche Live-Acts aus verschiedenen Genres, die die Bandbreite des Programms widerspiegeln. Zunächst tritt „Beelzebub Airlines“ auf und verbindet Progressive Rock, Jazz-Rock und Psychedelic zu einem experimentellen Klangmix. Anschließend bringt Ottmar Koehler mit afrokubanischer Percussion rhythmische Elemente in das Festivalprogramm ein. Mit Nino folgt ein Beitrag aus Singer-Songwriter- und Weltmusik. Die „Global Music Player Allstars“ stehen für interkulturelle Musik in wechselnden Besetzungen und setzen damit ein weiteres Zeichen für musikalische Vielfalt. Danach spielen „Mieze“ sowie die Indie- und Alternative-Rock-Band „Boffa Blank & The Pink.“ Es folgt „False Lefty“, deren Stil sich zwischen Alternative Rock, Indie und Post-Punk bewegt.

Mit „Soham“ kommt schließlich ein Beitrag mit meditativ geprägtem Postpunk auf die Bühne, bevor der Abend in eine energiegeladene Schlussphase übergeht. Den Ausklang gestaltet die Band „Kerndrift“ aus Oldenburg, die für lauten, kraftvollen Powercross steht und das Festival mit rockiger Intensität beendet. 

Marvin’s Inhaber Frank Pempe ist es wichtig, darauf hinzuweisen: „Es geht um Kuba.“ Und ergänzt: „Es brennt auf der ganzen Welt. Dort brennt es noch nicht. Aber die Lunte wurde angezündet.“

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2026. (11.06.2026).

Jazzsommer in Oldenburg

Jazzsommer in Oldenburg Musikschule der Stadt Oldenburg lädt zum Workshop „Rooftop Groove“ und Konzertabend ein

Dass Oldenburg über eine rege freie Kultur- und vor allem Jazzszene verfügt, ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. So gibt es unter anderem freie Theater, das Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 und die Jazzmusiker Initiative Oldenburg, die diverse Jazzreihen und Konzerte anbieten und organisieren. Und auch in diesem Sommer erwartet Oldenburg und umzu ein Kultursommer mit vielen Angeboten. 

Die Musikschule der Stadt Oldenburg lädt im Rahmen des Oldenburger Jazzsommers mit Angeboten zum Mitmachen und Zuhören ein. Im Juni wird für Musiker und Musikerinnen der Workshop „Rooftop Groove“ mit dem Judith Tellado & Paulo Pereira Quintett angeboten, bei dem gemeinsam mit geschulten Dozenten und Dozentinnen an musikalischer Praxis, Groove und Ensemblespiel gearbeitet werden kann. Ausgangspunkt für den Workshop ist eine Originalkomposition, die zunächst vom Quintett präsentiert und anschließend gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiter arrangiert wird. Im Anschluss vertiefen instrumentenspezifische Gruppen die Bereiche Stilistik, Groove, Harmonik, Improvisation und Zusammenspiel.

Der Workshop findet am Sonntag, 14. Juni, von 14 bis 18 Uhr im Musikschulgebäude an der Grundschule Bloherfelde, Schramperweg 59, statt. Der Workshop richtet sich an fortgeschrittene Anfänger:innen sowie erfahrene Jazzmusiker:innen auf allen Bigband-Instrumenten, die ihr Zusammenspiel verfeinern und professionelle Ensemblearbeit erleben wollen.

Am Freitag, 19. Juni, folgt mit dem Doppelkonzert des Judith Tellado & Paulo Pereira Quintetts mit der Bigband „Windstärke 12“ im Wilhelm13 ein weiteres Highlight des Oldenburger Jazzsommers. Ein abwechslungsreiches Konzertprogramm aus frischen Jazzarrangements, zeitlosen Soul-Klassikern und eigenen Stücken erwartet das Publikum. Mit Gesang, Tasten-, Saiten- und Blasinstrumenten sowie Drums entwickelt das Quintett einen vielschichtigen Sound zwischen moderner Jazztradition und improvisatorischem Spiel.

Eröffnet wird der Konzertabend durch die Bigband der Musikschule „Windstärke 12“ gemeinsam mit ihrer Sängerin Elsa Menzel unter der Leitung von Paulo Pereira. Das Ensemble ist seit 1999 in der Stadt etabliert. Sein Repertoire reicht von eigenen Kompositionen über instrumentale und vokale Bearbeitungen von Swing-Klassikern sowie Funk- und Latin-Jazz bis hin zu aktuellen Popsongs und bildet damit die stilistische Vielfalt moderner Bigband-Musik ab.

Tickets für das Konzert sind im Vorverkauf über die Website der Spielstätte Wilhelm13 erhältlich. 

                                                                                            

Weitere Informationen: 

Die Zahl der Plätze für den Workshop „Rooftop Groove“ ist begrenzt. Für Schülerinnen und Schüler der Musikschule der Stadt Oldenburg ist die Teilnahme kostenfrei, externe Teilnehmende zahlen 10 Euro. Die Anmeldung erfolgt über das Online-Portal der Musikschule unter www.oldenburg.de/musikschule. Anmeldeschluss ist Mittwoch, 27. Mai.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2026. (11.06.2026).