Der 43. Internationale Keramikmarkt in Oldenburg
Keramik kann viele Formen haben. Ob glatt oder rau, schlicht oder ausdrucksstark, funktional oder rein dekorativ: Es bedarf viel Erfahrung und handwerklichen Könnens, um aus einem Klumpen Ton ein Unikat zu fertigen. Unterschiedliche Tonsorten, Brenntechniken, Glasuren und künstlerische Handschriften sorgen dafür, dass aus demselben Material immer wieder völlig neue Formen entstehen. Genau diese Vielfalt macht Keramik so faszinierend. Sie kann Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk zugleich sein, traditionell gefertigt oder modern interpretiert, funktional oder rein dekorativ. Ob Gebrauchskeramik oder Objektkunst. Die Vielfalt dieses Kunsthandwerks kann man am 1. und 2. August in Oldenburg auf dem Schlossplatz erleben.
Die Internationalen Keramiktage gelten als das wichtigste Keramikereignis der Region und laden dazu ein, die Vielfalt zeitgenössischer Keramikkunst kennenzulernen. Ihren Ursprung hat die Veranstaltung im Jahr 1983, als die Stadt Oldenburg den „Oldenburger Töpfermarkt“ ins Leben rief. Seit 1999 organisiert die Werkschule Oldenburg – Werkstatt für Kunst und Kulturarbeit e. V. die Veranstaltung im Auftrag der Stadt. Jedes Jahr am ersten Augustwochenende präsentieren zahlreiche Keramikerinnen und Keramiker ihre individuellen Arbeiten und zeigen, wie vielseitig das Material Ton gestaltet werden kann. Besucherinnen und Besucher erwartet eine beeindruckende Bandbreite an Stilen, Farben, Formen und Techniken sowie die Gelegenheit, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen und mehr über ihre Werke zu erfahren.
Neben dem Keramikmarkt auf dem Schlossplatz umfasst das Programm Ausstellungen, Preisverleihungen und Workshops. Für den diesjährigen Markt wählte eine Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern der Werkschule, der Stadt sowie von Galerien und Museen insgesamt 103 Ausstellende aus. Keramikschaffende aus zehn Ländern präsentieren ihre Arbeiten und machen die internationale Vielfalt der Keramikkunst erlebbar. Im Mittelpunkt stehen innovative Gestaltungsideen, unterschiedliche Brenntechniken und vielfältige Arbeitsweisen.
Yaşar Wentz, Projektmanager der Internationalen Keramiktage Oldenburg, hebt insbesondere den Austausch innerhalb der Szene hervor: „Es gibt eine Vielfalt auf sehr hohem Niveau. Es sind Spitzenkünstlerinnen und -künstler. Dadurch, dass es ein internationaler Markt ist, gibt es die Möglichkeit, viele Keramikerinnen und Keramiker kennenzulernen und sich selbst weiterzubilden.“ Zugleich gehe es darum, Vernetzung zu fördern und insbesondere jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Alle Ausstellungen sind kostenfrei und damit niedrigschwellig zugänglich. Jede und jeder kann vorbeikommen, sich informieren und mit den Ausstellenden ins Gespräch kommen.
Auch Amelie Griebert, Pressesprecherin der Werkschule, betont den besonderen Reiz des direkten Erlebens: „Das haptische Erleben von Keramik fällt im Onlinehandel weg.“ Gerade bei handgefertigten Unikaten spiele die sinnliche Erfahrung eine entscheidende Rolle. Zugleich unterstreiche die große Bandbreite an Gebrauchs- und Kunstkeramik den offenen Charakter der Veranstaltung: „Für jeden ist etwas dabei.“
Ein besonderer Programmpunkt ist die Pop-up-Ausstellung „Brand neu“ im Schlosssaal. Dort werden ausgewählte Werke der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler präsentiert und geben einen konzentrierten Einblick in das aktuelle Schaffen der Szene (Samstag, 1. August, 11 bis 18 Uhr, und Sonntag, 2. August, 10 bis 17 Uhr). Wer sich für farbenfrohe und expressive Keramik begeistert, wird in der Ausstellung „Exoten“ von Maya Fenderl im Pulverturm (Schlosswall 3) fündig. Die Ausstellung ist vom 5. Juli bis zum 30. August jeweils samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Im Landesmuseum Kunst und Kultur Oldenburg zeigt die Ausstellung „Visionary Landscapes“ vom 1. August bis zum 6. September Werke der Preisträgerin der NEUEN KERAMIK 2025, Elena Arosio. Ihre auf der Töpferscheibe aus Feinsteinzeug gefertigten Arbeiten zeichnen sich durch klare Formen aus, die mit den zarten Farbtönen ihrer Oberflächen eine harmonische Verbindung eingehen.
Ein weiteres Highlight ist das Intensivportrait mit den Keramikerinnen Claudia Kraml und Kati Jünger. Das Format bietet Sammlerinnen und Sammlern, Keramikinteressierten sowie Praktikerinnen und Praktikern die Möglichkeit zum persönlichen Austausch mit den Künstlerinnen – inklusive Live-Demonstrationen ihrer Arbeitsweise.
Mit seinem internationalen Anspruch und dem vielseitigen Begleitprogramm zählt der Markt in Oldenburg zu den renommiertesten Keramikveranstaltungen Deutschlands. Wer die Vielfalt der Keramikkunst hautnah erleben möchte, sollte sich Zeit nehmen, über den Markt zu schlendern, zu stöbern und vielleicht das eine oder andere handgefertigte Lieblingsstück zu entdecken.
Gefördert wird der Markt durch die Stadt Oldenburg, Tourismus und Marketing Oldenburg, das Landesmuseum Kunst und Kultur Oldenburg, das Stadtmuseum Oldenburg, NEUE KERAMIK, Detlef und Constanze Schmidt-Wilkens, die Familie Müller-Meinhard, Martin McWilliam und Öffentliche Versicherungen Oldenburg – Geschäftsstelle Tobias Sohl.
Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juli 2026. (23.07.2026).