Zu Besuch auf der Evenburg in Leer (Ostfriesland)

„Kennst du die Evenburg? Das ist meine Lieblingsburg in Ostfriesland.“, sagt Jörg in Saša Stanišićs Jugendroman Wolf. Eine Burg ist die Evenburg streng genommen allerdings nicht. Wer vom Parkplatz über den Kiesweg in den Park spaziert, entdeckt vielmehr ein kleines weißes Schloss, eingebettet in einen englisch anmutenden Landschaftsgarten. Für einen Moment könnte man glauben, nicht in Ostfriesland, sondern irgendwo in Großbritannien unterwegs zu sein.

Die ursprüngliche Evenburg wurde bereits 1642 als barockes Wasserschloss von Oberst Erhard Reichsfreiherr von Ehrentreuter erbaut. Das aufwendig gestaltete Hauptgebäude entstand auf einer Schlossinsel, die von einem breiten Wassergraben umgeben ist.

Bei einem Spaziergang durch den Schlosspark lässt sich das Gebäude vollständig umrunden. Benannt wurde das Schloss nach Eva von Ungnad, der Ehefrau des Erbauers. Bereits eine Generation später gingen die Besitztümer 1690 durch Heirat an die Grafen von Wedel über. In den Jahren 1861/62 wurde das Schloss nach Entwürfen des Osnabrücker Architekten Rudolf Stüve im Stil der Neugotik umgebaut. In dieser Zeit entstand auch die Vorburg. Seither wurde die Anlage mehrfach baulich verändert und an neue Anforderungen angepasst.

Beim Betreten des Schlosses fallen sofort die Spitzbögen, die Säulen und der schwarz-weiß geflieste Boden ins Auge. Das prunkvolle Innere wird dem eindrucksvollen Äußeren des kleinen Schlosses durchaus gerecht.

Heute ist die Evenburg mit ihren Kultur- und Freizeitangeboten eine Bereicherung für das kulturelle Leben Ostfrieslands. Regelmäßig finden Wechselausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen statt. Seit Mai 2014 informiert eine Dauerausstellung über das Leben und Wirtschaften einer adligen Familie im 19. Jahrhundert. Zudem beherbergt das Schloss ein Zentrum für Gartenkultur in Ostfriesland.

Besucherinnen und Besucher können an Führungen teilnehmen oder die Räume auf eigene Faust erkunden. Die Ausstellung gewährt Einblicke in die ehemaligen Privaträume des gräflichen Ehepaares. Edle Tapeten und kunstvolle Deckenbemalungen vermitteln einen Eindruck vom adeligen Leben um 1862. Gleichzeitig erfährt man mehr über den Alltag der Grafenfamilie und über die jüngste Restaurierung des Schlosses.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Die historischen Möbel sind nicht mehr original erhalten. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Evenburg mehrfach von Truppen besetzt, geplündert und schwer beschädigt. Dafür lernt man etwas über Graf Carl Georg von Wedel, der tatkräftig in 20 Jahren Landschaftsgärtnerei, Imkerei und Forstwirtschaft betrieben hat und Begeisterung für neue technische Neuerungen hatte.

Nach dem Rundgang lädt das Café beim Schloss zu Tee und Kuchen ein. Es ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 

Vielleicht ist die Evenburg deshalb für viele Menschen ein Lieblingsort. Nicht, weil sie die größte oder prächtigste Burg Ostfrieslands wäre, sondern weil sie überrascht: mit ihrer Geschichte, ihrer Architektur und ihrer besonderen Atmosphäre.

Veröffentlicht: Extrablatt. Tourismus im Nordwesten. 2026.

Zwischen Dobbenviertel und Innenstadt

Oldenburgs grünes Bindeglied ist fertiggestellt

Es riecht nach Sommer in der Stadt, die Sonne strahlt warm auf das Gesicht, eine Landschaftsgärtnerin gießt mit einem Wasserschlauch die Büsche und ein kleiner weißer Hund springt aufgeregt über die grüne Wiese. Die Arbeiten am Cäcilienplatz, einem kleinen, aber feinen Park in Randnähe zur Innenstadt, sind endlich fertiggestellt. Lange war das Areal mit Bauzäunen abgesperrt und verwehrte Anwohnenden und Spaziergänger:innen den Durchgang. Jetzt knirscht der helle Kies wieder unter den Schuhsohlen und der fast 150 Jahre alte Platz lädt wieder zum Verweilen ein.

Viel Arbeitskraft und 500.000 Euro sind in die Sanierung der Parkanlage geflossen. Nun fragt man sich vielleicht: Warum? Es scheint so unscheinbar. Einige Rosenbeete, Bäume und Grünflächen entlang der Roonstraße. Was man jetzt im Sommer nicht mehr sieht: Schon im Frühjahr explodierte der Platz in einem Meer aus Farben, als über 200.000 neu gepflanzte Blumenzwiebeln blühten. Und auch für die Zukunft des Parks wurde vorgesorgt. Unter den historischen Eiben aus der Entstehungszeit des Platzes strecken sich mittlerweile über 10.000 Stauden dem Licht entgegen. Sie dienen als lebendiger Schattenspender, damit der Boden selbst an heißen Sommertagen wie heute nicht austrocknet. Was den Park so besonders macht, ist seine Lage als Bindeglied zwischen dem Dobbenviertel und der Innenstadt, aber auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während die umliegenden klassizistischen Fassaden des Viertels an die Geschichte Oldenburgs erinnern, kann man auf den weiß gestrichenen Bänken verweilen. Das Dobbenviertel ist eines der schönsten und besterhaltenen Gründerzeitviertel Oldenburgs. Viele der historischen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Doch nicht nur die umliegenden Häuser erinnern an eine andere Zeit. Auch der kleine Park selbst ist geprägt von Erinnerungskultur. In der Mitte des Parks stehen zwei große Büsten. Eine von Karl Jaspers, einem in Oldenburg geborenen Philosophen, der von seinem Sockel aus stoisch ins Grüne blickt. Ein paar Meter entfernt steht die Büste von Helene Lange, einer deutschen Politikerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, Frauen bürgerlicher Schichten das Studium in Deutschland zu ermöglichen und ihnen Berufsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit ihrer Lebensgefährtin Gertrud Bäumer veröffentlichte sie das fünfbändige „Handbuch der Frauenbewegung“, ein Standardwerk über die erste deutsche Frauenbewegung, und gab die Zeitschrift „Die Frau“ heraus. Wenn man sich auf eine der Bänke zwischen den beiden Büsten setzt, kann man Kleingruppen beim Boulespiel beobachten und über die Stadt und die Menschen, die sie prägen, grübeln.

Doch auch bei Regenwetter soll der Spaziergang gut möglich sein. Um für die Zukunft eine zu lange Vernässung der Wege bei Starkregen zu vermeiden, wurde im Rahmen der Sanierung ein neuer Wegebelag eingebaut. Das Material nimmt das Wasser auf, ohne den Weg matschig werden zu lassen. Da die Wege tiefer als die umgebene Fläche liegen, wird das überschüssige Regenwasser über neu eingebaute Entwässerungsrinnen in den Kanal abgeleitet.

Benannt ist der Platz nach der Prinzessin Cäcilie von Oldenburg, die sich 1833 finanziell am ersten Theaterbau in Oldenburg beteiligte. Lage und Gestaltung des Parks fangen dies ein. Zu Fuß ist die Anlage nur eine Minute vom heutigen Staatstheater entfernt gelegen und die Landschaftsgestaltung erinnert an ordentlich arrangierte englische Gärten. Es braucht mehr solcher Flächen und es ist schön, dass sie wieder da ist. Für den Spaziergang zwischendurch, das Picknick oder einen kurzen Kaffee nach dem Mittagessen.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juli 2026. (09.07.2026).

Erinnern, erzählen, mitgestalten – Das neue Stadtmuseum 

Ein neuer Ort ist in Oldenburg entstanden. Das merkt man schon beim Eintreten. Der Geruch von frischer Farbe, Holz und Beton liegt noch in der Luft. Er empfängt die Besucherinnen und Besucher bereits im neu gestalteten Foyer des Stadtmuseums und Horst-Janssen-Museums. Tageslicht fällt durch große Fensterflächen. Zwischen Museumsshop, Kasse und Café öffnet sich ein heller Raum, in dessen Mitte Bänke und Sitzsäcke zum Verweilen einladen.

Viele Kulturinstitutionen bemühen sich um Offenheit und schaffen dennoch Distanz. Hier scheint das anders zu sein. Wer das Gebäude betritt, blickt nicht zuerst auf eine Kasse oder auf Personal, das den Neuankömmling prüfend mustert. Stattdessen fällt der Blick auf einen Treffpunkt: einen Ort zum Ausruhen, Lesen und Austauschen. Gleich daneben lädt das Café Atrium zu Kaffee und Kuchen ein.

Mit dem Ticket in der Hand geht es selbstständig durch die Ausstellung. Ein Scanner öffnet den Weg in die einzelnen Bereiche. Kein Sicherheitspersonal begleitet jeden Schritt. Die Atmosphäre wirkt entspannt. Fast so, als würde man nicht nur ein Museum betreten, sondern einen öffentlichen Raum. Auf den Ebenen eins und zwei befindet sich die neue Dauerausstellung zur Stadtgeschichte. Die erste Ebene stellt eine grundlegende Frage: „Was ist Stadt?“ Die Ausstellung blickt hinter die Fassaden Oldenburgs und zeichnet die Entwicklung von den ersten Siedlungsspuren bis in die Gegenwart nach. Sieben Themenbereiche verbinden historische Wendepunkte mit den Geschichten prägender Persönlichkeiten und Orte. So entsteht ein vielschichtiges Bild der sozialen, wirtschaftlichen und räumlichen Kräfte, die Oldenburg geformt haben und bis heute prägen.

Besonders eindrücklich wird die Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Die Herrschaft der Nationalsozialisten begann in Oldenburg bereits im Mai 1932 und damit Monate früher als im übrigen Reich. Fotografien zeigen das Rathaus mit Hakenkreuzfahnen. Es sind beklemmende Bilder. Sie machen deutlich, wie eng politische Macht und die Gestaltung einer Stadt miteinander verbunden sind.

Geplant war sogar ein sogenanntes „Gauforum“, mit dem Oldenburg als Gauhauptstadt umgestaltet werden sollte. Der Krieg verhinderte die Umsetzung. Andere Formen der ideologischen Umgestaltung fanden jedoch statt: Straßen und Plätze wurden umbenannt, Erinnerungsorte zerstört. Nach den Novemberpogromen 1938 wurden die Überreste der Synagoge in der Peterstraße und die jüdische Schule abgerissen. Die jüdische Gemeinde wurde anschließend aus dem Vereinsregister gelöscht.

Zwischen historischen Dokumenten und Exponaten erzählen Videointerviews von Oldenburgerinnen und Oldenburgern. Sie sprechen über ihre Stadt, über Orte, die ihnen wichtig sind, und über das, was sie mit Heimat verbinden. Dadurch wird die Ausstellung immer wieder in die Gegenwart geholt. Denn die Frage nach der Stadt ist auch eine Frage nach dem Zuhause. Und damit nach Wohnraum, Zusammenleben und gesellschaftlicher Teilhabe.

Eine Stadt entsteht nicht einfach. Sie wird geplant, verhandelt, erkämpft und verändert. Genau diesen Gedanken greift die zweite Ebene auf. Unter der Leitfrage „Wer macht Stadt?“ richtet die Ausstellung den Blick auf Herrschende, Bürgerinnen und Bürger sowie soziale Bewegungen. Sie zeigt, wie politische Entscheidungen und gesellschaftliche Konflikte das Leben der Menschen beeinflusst haben und bis heute beeinflussen.

Besonders gelungen ist dabei, dass die Ausstellung keine Vorkenntnisse voraussetzt. Die Stationen sind zugänglich und interaktiv. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern stellen Fragen. Warum ist Oldenburg deine Stadt? Was bedeutet Heimat? Wem gehört öffentlicher Raum?

Der Anspruch des Museums endet nicht bei der Ausstellung. Unter dem Motto „SMO. Das bist du.“ sammelt das Stadtmuseum Geschichten aus der Stadtgesellschaft. Freivitrinen können von Bürgerinnen und Bürgern gestaltet werden. Auf Monitoren laufen persönliche Beiträge, auf Projektflächen finden Gespräche, Veranstaltungen und Aktionen statt. Das Museum versteht sich nicht nur als Ort der Erinnerung, sondern als Plattform für Beteiligung.

Filme, interaktive Medienstationen, Alltagsobjekte vergangener Jahrzehnte und Tastobjekte schaffen dabei einen Zugang, der spielerisch wirkt, ohne oberflächlich zu sein. Immer wieder regt die Ausstellung dazu an, den eigenen Blick auf die Stadt zu hinterfragen.

Das Ziel des Museumsteams ist offensichtlich: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Oldenburgs zusammenzubringen und zugleich einen Ort der Begegnung zu schaffen. Dieses Ziel scheint erreicht. Denn am Ende des Rundgangs wartet die Dachterrasse. Von hier fällt der Blick auf den Lappan. Unten ziehen Menschen vorbei. Fahrräder, Busse und Autos durchqueren die Straßen. Die Stadt ist in Bewegung.

Nach Stunden zwischen Ausstellungsräumen und Erinnerungen sieht man plötzlich wieder das Oldenburg von heute. Eine Stadt, die nicht nur von ihrer Geschichte geprägt wurde, sondern jeden Tag neu entsteht. Sie entwickelt sich durch politische Entscheidungen, durch ehrenamtliches Engagement und durch das Zusammenleben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Es ist ein passender Schluss für diese Ausstellung. Denn sie macht deutlich: Stadtgeschichte ist nichts Vergangenes. Sie wird jeden Tag weitergeschrieben.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2026. (24.06.2026).

Mit Yoga zu einem neuen Blick auf Kunst

Kunstvermittlerin Vanessa Reis lädt Besucher:innen dazu ein, Kunst achtsam und ohne Hemmschwellen zu erleben

Die Holzdielen im Prinzenpalais knarzen, ein Luftentfeuchter brummt leise, während es sich die Teilnehmenden auf ihren Yogamatten vor einem großformatigen Gemälde bequem machen. Kunstvermittlerin Vanessa Reis beginnt ihre geführte Yogastunde. Alle sollen das Bild gut sehen können, denn genau darum geht es heute.

Die studierte Kunst- und Medienwissenschaftlerin entwickelte das Format 2018 für den Kunstverein Oldenburg, während sie ihre Ausbildung zur Yogalehrerin absolvierte. „Wir haben überlegt, was man machen könnte, um Menschen ins Museum zu bringen, die vielleicht kein Interesse an einer klassischen Führung haben oder für die der Besuch eines Museums beziehungsweise Kunstvereins eine Hürde darstellt“, erinnert sich Reis. Die zentrale Idee: Kunst aus einer neuen Perspektive erfahrbar machen. Anfangs wurde das Format durch Meditationen begleitet, später kamen gezielt Yogaübungen hinzu.

Dabei ist der freiberuflichen Yogalehrerin und Kunstvermittlerin besonders wichtig, dass Yoga im Museum nicht bloß ein Kurs an einem ungewöhnlichen Ort bleibt. Vielmehr soll stets eine Verbindung zwischen den Teilnehmenden und dem jeweiligen Kunstwerk entstehen. „Die Stunde ist immer so aufgebaut, dass sie einem bestimmten Thema folgt, das sich auch in den Werken widerspiegelt“, erklärt Reis.

So orientiert sich die Yogastunde rund um das Gemälde „Birkenwald im Frühling“ an Begriffen wie Stabilität, Erdung und weiteren Assoziationen zum Motiv des Baumes. Die eigentliche Kunstvermittlung setzt sich anschließend im gemeinsamen Gespräch fort: Nach der Yogastunde nehmen sich alle Zeit, das Werk intensiv zu betrachten und ihre Eindrücke zu reflektieren. Selten bietet sich im Museum die Gelegenheit, so lange und aufmerksam vor einem einzelnen Gemälde zu verweilen.

„Es ermöglicht einem, ein Gemälde so anzuschauen, als hätte man noch nie zuvor eines in einem Museum gesehen“, betont Reis, die seit mehr als zehn Jahren in der Kunstvermittlung tätig ist. „Und im besten Fall ist das keine Ein-Personen-Show, sondern ein Austausch zwischen den Teilnehmenden und mir, bei dem wir ganz unvoreingenommen über unsere Eindrücke sprechen.“ Nach ihrer Erfahrung fällt es vielen Menschen schwer, über Kunst zu sprechen, weil sie befürchten, ihre Gedanken seien nicht intellektuell oder ausgereift genug. Gerade der gemeinsame Austausch zeige jedoch das Gegenteil. „Ich möchte nicht, dass Menschen nur deshalb in eine Ausstellung oder Führung gehen, weil man etwas gesehen haben muss“, sagt Reis. „Sondern dass sie dort hingehen und wirklich etwas für sich mitnehmen.“

Aktuell findet das Format im Prinzenpalais etwa einmal pro Halbjahr statt. Bei entsprechender Nachfrage könne sie sich jedoch vorstellen, die Veranstaltung häufiger anzubieten. Die Buchung erfolgt über die Website des Landesmuseums. Der nächste Termin ist am 28. Juni um 16 Uhr.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Mai 2026. (14.05.2026).

Vom Daddeldu

Es gibt Wörter, die machen einen einfach glücklich. Seitdem ich in Oldenburg lebe und mir die plattdeutsche Sprache vertrauter wird, lerne ich ab und an neue Begriffe, die mich zum Schmunzeln bringen. Poggenstohl zum Beispiel. Zusammengesetzt aus den Worten »Pogg« (Frosch) und »Stohl« (Stuhl), demnach ein »Froschstuhl«, handelt es sich um eine bildhafte Benennung für einen Pilz. Oder bregenklöterig: So nenne ich mich selbst oder andere gern an besonders verwirrten Tagen. Das Wort setzt sich aus »Bregen« (Gehirn oder Kopf) und »klöterig« (klapperig, lose) zusammen und beschreibt herrlich treffend das Gefühl, wenn im Kopf gerade nichts mehr richtig zusammenhält.

Denn Niederdeutsch ist eine sehr bildhafte, anschauliche und prägnante Sprache. Sie zeichnet sich durch humorvolle, bodenständige und oft verblüffend genaue Ausdrücke aus, die alltägliche Situationen, Gegenstände oder Charaktereigenschaften metaphorisch beschreiben.

Mein persönliches Lieblingswort aus diesem sprachlichen Schatz aber lautet: Daddeldu. Was bedeutet es? Der Journalist Markus Weise erklärte dazu bei Bremen Eins, »Daddeldu« bedeute so viel wie »nun ist genug« oder »es reicht für heute«. Ebenso gibt es die Theorie, dass das Wort aus dem Englischen entlehnt sein könnte, wobei sich der Sprech von den Seeleuten aus Sätzen wie »That will do« entwickelt hätte. Der Schriftsteller Joachim Ringelnatz brachte bereits 1923 den gut gelaunten Seemann Kuttel Daddeldu zu Papier, welcher seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen erzählt. Der Seemann beginnt mit den Worten: »Also Kinners, wenn ihr mal fünf Minuten lang das Maul halten könnt, dann will ich euch die Geschichte vom Rotkäppchen erzählen, wenn ich mir das noch zusammenreimen kann. Der alte Kapitän Muckelmann hat mir das vorerzählt, als ich noch so klein und so dumm war, wie ihr jetzt seid. Und Kapitän Muckelmann hat nie gelogen. Also lissen tu mi. Da war mal ein kleines Mädchen. Das wurde Rotkäppchen angetitelt«. Eine schönere Verkörperung für dieses – zumindest für mich – schönsten plattdeutschen Wortes könnte ich mir gar kaum vorstellen. Wie man es auch dreht und wendet »That will do«, »es reicht«, das bedeutet vor allem eines: Feierabend. Denn die Spielzeitpause ist bereits nahe, in der sich alle Mitarbeitenden des Theaterbetriebes ihren wohlverdienten Urlaub nehmen können. Daher will ich an dieser Stelle ein Gedicht nicht vorenthalten, welches mir vom »Poetomat« auf Wunsch angefertigt wurde: 

»Daddeldu,

ik mok min 

Kopp nu zu. 

Ik mok ne Pulle 

auf, ik geh den

Deich hinauf

und lass der Welt ihren 

Verlauf.«

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Juni/Juli 2025/26. (08.06.2026).

Solidarität mit Kuba

Benefizfestival im Marvin’s setzt ein Zeichen gegen die Blockade

Das Verhältnis zwischen den USA und Kuba bleibt auch mehr als 60 Jahre nach Beginn des Embargos angespannt. Die US-Regierung hält an weitreichenden Wirtschafts- und Finanzsanktionen fest, die den Handel und internationale Finanzgeschäfte Kubas erheblich erschweren. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Krise auf der Insel machen viele Solidaritätsinitiativen die jahrzehntelange Blockadepolitik mitverantwortlich für Versorgungsengpässe bei Medikamenten, Treibstoff und technischen Gütern. Aus Sorge um die aktuelle Entwicklung und als Zeichen der Solidarität mit der kubanischen Bevölkerung findet am Samstag, den 13. Juni, ab 15 Uhr im Marvin’s (Rosenstraße 6) das Kuba Soli Benefiz Festival statt. Der Eintritt ist frei, stattdessen werden Spenden für Kuba-Solidaritätsprojekte gesammelt, wie unter anderem „Cuba Sí“, eine Arbeitsgemeinschaft der Partei Die Linke, die sich für politische und materielle Solidarität mit dem sozialistischen Kuba engagiert, insbesondere durch Landwirtschafts- und Gesundheitsprojekte sowie das Zusammenstellen und Liefern von Spendencontainern. Für die Veranstaltung wurde ein Spendenkonto eingerichtet, auf das über einen QR-Code überwiesen werden kann. 

Die Idee für das Festival entstand aus persönlicher Betroffenheit, berichtet Organisator des Festivals Frank Pempe. Nach einer Kuba-Reise im vergangenen Jahr habe ihn die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation auf der Insel und die Auswirkungen der US-Politik dazu bewegt, selbst aktiv zu werden. Besucherinnen und Besucher erwartet neben Live-Musik und Essen auf dem Benefizfestival auch ein Informationsprogramm mit aktuellen Berichten von Kuba-Reisenden, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Über die organisatorische Arbeit berichtet Pempe: „Es macht Spaß. Es kommt ganz viel zurück. Wir wollen einen schönen Tag haben.“

Das Kuba Soli Benefiz Festival wird am Nachmittag von der „Poly Session Group“ eröffnet und leitet damit einen vielfältigen musikalischen Tag ein. Im weiteren Verlauf folgen unterschiedliche Live-Acts aus verschiedenen Genres, die die Bandbreite des Programms widerspiegeln. Zunächst tritt „Beelzebub Airlines“ auf und verbindet Progressive Rock, Jazz-Rock und Psychedelic zu einem experimentellen Klangmix. Anschließend bringt Ottmar Koehler mit afrokubanischer Percussion rhythmische Elemente in das Festivalprogramm ein. Mit Nino folgt ein Beitrag aus Singer-Songwriter- und Weltmusik. Die „Global Music Player Allstars“ stehen für interkulturelle Musik in wechselnden Besetzungen und setzen damit ein weiteres Zeichen für musikalische Vielfalt. Danach spielen „Mieze“ sowie die Indie- und Alternative-Rock-Band „Boffa Blank & The Pink.“ Es folgt „False Lefty“, deren Stil sich zwischen Alternative Rock, Indie und Post-Punk bewegt.

Mit „Soham“ kommt schließlich ein Beitrag mit meditativ geprägtem Postpunk auf die Bühne, bevor der Abend in eine energiegeladene Schlussphase übergeht. Den Ausklang gestaltet die Band „Kerndrift“ aus Oldenburg, die für lauten, kraftvollen Powercross steht und das Festival mit rockiger Intensität beendet. 

Marvin’s Inhaber Frank Pempe ist es wichtig, darauf hinzuweisen: „Es geht um Kuba.“ Und ergänzt: „Es brennt auf der ganzen Welt. Dort brennt es noch nicht. Aber die Lunte wurde angezündet.“

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2026. (11.06.2026).

Jazzsommer in Oldenburg

Jazzsommer in Oldenburg Musikschule der Stadt Oldenburg lädt zum Workshop „Rooftop Groove“ und Konzertabend ein

Dass Oldenburg über eine rege freie Kultur- und vor allem Jazzszene verfügt, ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. So gibt es unter anderem freie Theater, das Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 und die Jazzmusiker Initiative Oldenburg, die diverse Jazzreihen und Konzerte anbieten und organisieren. Und auch in diesem Sommer erwartet Oldenburg und umzu ein Kultursommer mit vielen Angeboten. 

Die Musikschule der Stadt Oldenburg lädt im Rahmen des Oldenburger Jazzsommers mit Angeboten zum Mitmachen und Zuhören ein. Im Juni wird für Musiker und Musikerinnen der Workshop „Rooftop Groove“ mit dem Judith Tellado & Paulo Pereira Quintett angeboten, bei dem gemeinsam mit geschulten Dozenten und Dozentinnen an musikalischer Praxis, Groove und Ensemblespiel gearbeitet werden kann. Ausgangspunkt für den Workshop ist eine Originalkomposition, die zunächst vom Quintett präsentiert und anschließend gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiter arrangiert wird. Im Anschluss vertiefen instrumentenspezifische Gruppen die Bereiche Stilistik, Groove, Harmonik, Improvisation und Zusammenspiel.

Der Workshop findet am Sonntag, 14. Juni, von 14 bis 18 Uhr im Musikschulgebäude an der Grundschule Bloherfelde, Schramperweg 59, statt. Der Workshop richtet sich an fortgeschrittene Anfänger:innen sowie erfahrene Jazzmusiker:innen auf allen Bigband-Instrumenten, die ihr Zusammenspiel verfeinern und professionelle Ensemblearbeit erleben wollen.

Am Freitag, 19. Juni, folgt mit dem Doppelkonzert des Judith Tellado & Paulo Pereira Quintetts mit der Bigband „Windstärke 12“ im Wilhelm13 ein weiteres Highlight des Oldenburger Jazzsommers. Ein abwechslungsreiches Konzertprogramm aus frischen Jazzarrangements, zeitlosen Soul-Klassikern und eigenen Stücken erwartet das Publikum. Mit Gesang, Tasten-, Saiten- und Blasinstrumenten sowie Drums entwickelt das Quintett einen vielschichtigen Sound zwischen moderner Jazztradition und improvisatorischem Spiel.

Eröffnet wird der Konzertabend durch die Bigband der Musikschule „Windstärke 12“ gemeinsam mit ihrer Sängerin Elsa Menzel unter der Leitung von Paulo Pereira. Das Ensemble ist seit 1999 in der Stadt etabliert. Sein Repertoire reicht von eigenen Kompositionen über instrumentale und vokale Bearbeitungen von Swing-Klassikern sowie Funk- und Latin-Jazz bis hin zu aktuellen Popsongs und bildet damit die stilistische Vielfalt moderner Bigband-Musik ab.

Tickets für das Konzert sind im Vorverkauf über die Website der Spielstätte Wilhelm13 erhältlich. 

                                                                                            

Weitere Informationen: 

Die Zahl der Plätze für den Workshop „Rooftop Groove“ ist begrenzt. Für Schülerinnen und Schüler der Musikschule der Stadt Oldenburg ist die Teilnahme kostenfrei, externe Teilnehmende zahlen 10 Euro. Die Anmeldung erfolgt über das Online-Portal der Musikschule unter www.oldenburg.de/musikschule. Anmeldeschluss ist Mittwoch, 27. Mai.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2026. (11.06.2026).

»Mich beeindruckt ihr Mut.«

Dramaturgin Annika Müller im Gespräch mit Regisseurin Hannah Koppermann zur Produktion »Heartship«

Am 15. Mai feiert die Inszenierung »Heartship« in der Exhalle Premiere. In dem Stück geht es um die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sara, eine feministische Stand-Up-Künstlerin, lädt zu ihrem regelmäßigen Programm in die Kneipe Heartship – ein Ort für Wut, Witz und Empowerment. Die Augenärztin Ann, die durch Zufall in eine der Shows gerät, hat wenig Erfahrung damit, sich öffentlich zu empören. Zu groß ist die Scham zu erzählen, dass sie sowohl in ihrer Vergangenheit als auch in ihrer Gegenwart mit sexuellen Übergriffen und Grenzüberschreitungen von Männern kämpft. Als sich die beiden später begegnen, entwickelt sich eine innige Bindung. Gemeinsam stellen sie sich mit überraschender Leichtigkeit ihrem Alltag zwischen Selbstoptimierung und Traumata und stellen sich gemeinsam gegen den Druck der Gesellschaft. 

Du bist Regieassistentin hier am Haus und hast bereits kleinere Inszenierungen in der Niederdeutschen Sparte und der Sparte 7 umgesetzt. Das ist deine erste Inszenierung in der Schauspielsparte. Was sind dabei Herausforderungen und worauf freust du dich?

Hannah Koppermann: Ich glaube, die größte Herausforderung ist, die Rolle als Regieassistentin abzulegen und wirklich in der Position der Regie anzukommen, also nicht in alte Muster zurückzufallen. Das bedeutet vor allem, nicht mehr primär organisatorisch zu denken, sondern künstlerisch zu arbeiten. Genau darauf freue ich mich aber auch: meine eigenen künstlerischen Gedanken endlich umsetzen zu können, anstatt nur zu beobachten, wie andere Regisseur:innen ihre Ideen realisieren. Im Studium habe ich häufig gemeinsam mit einer zweiten Person Regie geführt. Deshalb habe ich großen Respekt davor, diese Position allein auszufüllen. Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich nicht wirklich allein bin. Ich arbeite im Team mit der Bühnenbildnerin, der Dramaturgie und den Schauspielerinnen. Und genau darin liegt für mich auch die Chance, weiter zu lernen und mehr Vertrauen in mich selbst zu entwickeln.

Wir begegnen in dem Stück »Heartship« den beiden Figuren Sara und Ann, die an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und ihrer Emanzipation stehen. Was interessiert dich besonders an den beiden Frauen?

Sara ist diejenige, die das System Patriarchat bereits stärker durchdrungen hat und Wege gefunden hat, sich davon zu lösen. Mich beeindruckt ihr Mut. Besonders, wie klar und selbstbewusst sie ihre Sprache einsetzt und sich mitteilt. An Ann interessiert mich, dass sich – so glaube ich – viele Frauen in ihr wiederfinden können. Sie spürt, dass sie unter patriarchalen Strukturen leidet, hat diese aber noch nicht vollständig erkannt und weiß noch nicht, wie sie sich davon befreien kann. Ich erkenne mich darin auch selbst wieder. Lange Zeit war ich wie Ann. Erst durch Freund:innen, durch meine Arbeit und durch verschiedene Erfahrungen habe ich begonnen zu verstehen, wie dieses System wirkt. Ich würde nicht sagen, dass ich mich vollständig davon befreit habe. Auch nicht von allen Denkmustern. Aber ich hoffe, dass ich auf dem Weg bin, mich in Richtung Sara zu entwickeln.

Warum findest du es wichtig, Stücke wie »Heartship« auf die Bühne zu bringen?

Gerade in den letzten Wochen ist wieder sehr deutlich geworden, wie stark Frauen unter patriarchalen Strukturen leiden. Deshalb ist es umso wichtiger, weibliche Stimmen sichtbar und hörbar zu machen.

Genau das passiert in Caren Jeß’ Stück: Zwei Frauen erzählen ihre Perspektiven und zwar ausschließlich ihre eigenen. Diese Klarheit und Fokussierung halte ich für unglaublich wichtig, und genau das macht den besonderen Wert dieses Stücks für mich aus.

Sara und Ann sagen selbst, ihre Beziehung sei ein »Heartship«, da sie nicht klar als Liebesbeziehung noch als bloße Freundschaft einzuordnen ist. Warum sind uns Labels so wichtig und was bedeutet es, sie aufzubrechen?

Ich glaube, ich habe darauf zwei Antworten: eine persönliche und eine eher gesellschaftliche. Ganz persönlich merke ich, dass ich gern Kontrolle über Dinge habe. Labels helfen mir dabei, weil sie mir eine gewisse Sicherheit geben. Gleichzeitig wünsche ich mir – für mich selbst und vielleicht auch für die Gesellschaft –, dass wir uns ein Stück weit davon lösen können. Dass wir Beziehungen offener betrachten und nicht immer sofort einordnen müssen. Denn Beziehungen sind selten eindeutig. Sie bewegen sich in Graubereichen, in Spektren und genau diese Vielschichtigkeit sollte auch Platz haben. Egal ob Liebesbeziehung, Freundschaft, familiäre Verbindung oder eben ein »Heartship«.

Die Fragen stellte Annika Müller

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Mai 2025/26. (02.05.2026).   

Pixel, Punkte, Prestige – eSports-Event in der Sparte 7 

Was war das erste Spiel, das ihr auf einer Konsole oder am Computer gespielt habt? Für viele beginnt genau hier eine ganz persönliche Geschichte. Für mich waren diese ersten, noch etwas holprigen Schritte in digitale Welten vermutlich »Töff Töff« oder »Freddi Fisch« am Familien-PC. Später folgten Klassiker wie »Die Sims« auf dem Laptop, »Super Mario Land« auf dem Game Boy oder »Animal Crossing« auf dem Nintendo DS. Und natürlich: »Mario Kart«, das mich schon früh auf den Nintendo-Konsolen begeistern konnte. Stundenlanges Spielen, Leveln, Sammeln, erfüllen von Fetchquests und Lösen von Rätseln und das Gefühl, immer noch eine Runde dranhängen zu wollen.

Doch was genau machen Spiele mit uns, dass sie uns so in ihren Bann ziehen? Vielleicht ist es die Mischung aus Herausforderung und Belohnung, aus Eskapismus und Kontrolle. Spiele geben uns die Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, Welten zu erkunden und Fortschritte unmittelbar zu erleben. Jedes geschaffte Level, jede gewonnene Runde ist ein kleines Erfolgserlebnis und genau diese Momente bleiben im Gedächtnis, vor allem wenn wir mit unseren Freund:innen gespielt haben.

Und dann ist da die Nostalgie. Konsolen wie der GameCube stehen heute nicht nur für Technik, sondern für Erinnerungen: an Nachmittage vor dem Bildschirm, an gemeinsame Duelle mit Freund:innen, an Frust und Triumph gleichermaßen. Spiele sind eben nie nur Spiele, sondern immer auch Zeitkapseln.

Oder wart ihr vielleicht sogar noch früher dabei? In Bars, Kneipen oder Spielhallen an den Arcade-Automaten? Sie sind mehr als nur Spielgeräte, sie sind ein Stück lebendige Popkultur. Mit ihren leuchtenden Bildschirmen, den markanten Sounds und den einfachen, aber fesselnden Spielprinzipien prägten sie ganze Generationen. Ob in verrauchten Spielhallen der 80er-Jahre oder als nostalgisches Highlight in modernen Bars: Arcade-Automaten stehen für den Ursprung vieler Videospielklassiker und für eine Zeit, in der Highscores noch mit Initialen verewigt wurden.

Ihr Reiz liegt nicht nur in der Technik, sondern vor allem im Erlebnis. Das Klackern der Joysticks, das hektische Drücken der Buttons und der direkte Wettbewerb mit anderen Spielern schaffen eine Atmosphäre, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Faszination verloren hat. Es geht um den Moment, um den direkten Vergleich der Highscores.

Genau dieses Gefühl greifen wir in der Sparte 7 wieder auf. Nachdem wir uns bereits im eSports-Format dem beliebten Klassiker »Mario Kart« gewidmet haben, geht es nun einen Schritt weiter: Im Oldenburger Computer-Museum treffen beim nächsten eSports-Event der Sparte 7 Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Am 2. Mai erwartet euch dort nicht nur ein Event auf großer Leinwand, sondern ein echtes Eintauchen in die Geschichte des Spielens.

In vier Teams treten die Teilnehmer:innen gegeneinander an Konsolen, Arcade-Automaten und klassischen Rechnern an. Gespielt werden ikonische Titel wie »Pong«, »Pac-Man« oder »Space Invaders«. Jede Runde bringt Punkte, jede Disziplin neue Herausforderungen. Wer die meisten Punkte gesammelt hat und sowohl die Ehre als auch die Ähre mit nach Hause nimmt, bleibt bis zum Schluss offen.

Was zählt, ist ohnehin mehr als der Sieg: Es geht ums Ausprobieren, ums Erinnern, ums gemeinsame Erleben. Ein Event zum Mitmachen, Entdecken, Mitfiebern und vielleicht auch, um das eigene erste Spielerlebnis wieder ein kleines Stück weit neu zu erleben.

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Mai 2025/26. (02.05.2026).   

„Gleichberechtigung im Grundgesetz“: Wanderausstellung macht Station in Oldenburg

Vom 30. April bis 10. Juli macht die Ausstellung „Gleichberechtigung im Grundgesetz – Das Ringen um Frauenrechte und Demokratie in Deutschland“ Halt in Oldenburg. Die Ausstellung wurde vom Gleichstellungsbüro des Landkreises Harburg entwickelt und wird auf Initiative des Gleichstellungsbüros der Stadt Oldenburg an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet präsentiert.

Die Ausstellung beleuchtet mutige Stimmen, prägende historische Wendepunkte und den jahrzehntelangen Einsatz für die Gleichstellung von Frauen in Deutschland. Im Fokus stehen dabei Frauen, die sich für gleiche Rechte einsetzten und mit ihren Forderungen bis heute nachwirken. Besucherinnen und Besucher sollen auf diese Weise einen Überblick über die Verfassung, Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel erhalten und nachvollziehen können.

Vier Institutionen öffnen für die Schau ihre Türen. So ist die Ausstellung zuerst in Oldenburg vom 30. April bis zum 16. Mai in der Stadtbibliothek des PFL (Peterstraße 3) zu sehen. Im Anschluss wird sie vom 18. Mai bis 3. Juni im Foyer des Oldenburgischen Staatstheaters (Theaterwall 28) ihren Platz finden. Weiter zieht die Ausstellung vom 5. Juni bis 26. Juni in die Polizeidirektion Oldenburg (Theodor-Tantzen-Platz 8). Ihre letzte Station ist dann vom 29. Juni bis 10. Juli der AWO Bezirksverband Weser-Ems e. V. (Klingenbergstraße 73). 

Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst diverse Vorträge und startet am Mittwoch, den 29. April, um 19 Uhr mit dem Vortrag „Demokratie braucht Gleichberechtigung“ von Prof. Dr. Ulrike Lembke. Am Montag, 11. Mai, um 18.30 Uhr folgt ein Vortrag von Katharina Mosene (M.A.) mit dem Titel „Von Artikel 3 zu Algorithmus: Gleichberechtigung im digitalen Zeitalter verteidigen“. Am Dienstag, 12. Mai, ebenfalls um 18.30 Uhr, wird der Film „Die Mütter des Grundgesetzes – Ihr Kampf um Gleichberechtigung“ gezeigt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, gegebenenfalls ist eine Anmeldung vorab notwendig. 

Parallel zur Wanderausstellung wird zudem in der Oldenburger Innenstadt an der Ecke Haarenstraße/Lange Straße eine Open-Air-Ausstellung der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gezeigt. Sie rückt historische Schauplätze in den Fokus, an denen sich Menschen für die Gleichberechtigung der Geschlechter eingesetzt haben.

Anlass für die Konzeption der Ausstellung durch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg war der 75. Jahrestag des Grundgesetzes (GG) und damit auch das Jubiläum von Artikel 3 GG („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“). Der Geburtstag am 23. Mai bildet zugleich den Anlass, die Ausstellung in Oldenburg zu präsentieren. Renate Vossler, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg, beantwortet der MoX, warum das Gleichstellungsbüro die Ausstellung nach Oldenburg holen wollte: „Es geht uns darum, die Erinnerung an den Kampf um Frauenrechte und gleichberechtigte Teilhabe wachzuhalten und für Frauenrechte zu sensibilisieren.“ Auch sei es ein Anliegen, eine niedrigschwellige Wissensvermittlung zu ermöglichen. Daher wird die Ausstellung an vier Standorten innerhalb der drei Monate gezeigt. 

Die Besucherinnen und Besucher sollen dabei vor allem die Kernaussage des Artikel 3 im Grundgesetz mitnehmen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Denn Frauenrechte sind Menschen- und Grundrechte und müssen daher auch im Jahr 2026 weiterhin aktiv verteidigt und gestärkt werden. Vossler betont: „Heute nach fast 80 Jahren ist die verfassungsrechtlich garantierte Gleichstellung noch immer nicht erreicht. Ganz im Gegenteil bemerken wir weltweit und auch in Deutschland antifeministische Tendenzen, eine Retraditionalisierung der Geschlechtsrollen und das Infragestellen von Frauenrechten.“

Auf die Frage, wo sie aktuell die größten Herausforderungen sieht, antwortet Renate Vossler: „Das TOP-Thema ist leider nach wie vor Gewalt gegen Frauen. Durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen wie #Aufschrei, #MeeToo und aktuell der Skandal – oder besser gesagt – die Skandale um Deepfakes rücken das Thema verstärkt in den Fokus. Es wird zunehmend deutlich, dass es sich bei Gewalt gegen Frauen nicht um eine Privatangelegenheit handelt, sondern dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und gesamtgesellschaftlich gelöst werden muss. Und deshalb muss sich sowohl auf der gesetzgeberischen Ebene, der strukturellen Ebene als auch in den Köpfen der Menschen noch vieles ändern.“

Die Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt sei ein weiteres brisantes Thema, vertieft Vossler die Aufzählung. Da vorwiegend von Frauen ausgeübte Tätigkeiten im Durchschnitt geringer entlohnt werden als vorwiegend von Männern ausgeübte Tätigkeiten. 

Verknüpft mit mangelnder Repräsentanz auf Führungsebene und einem hohen Anteil an Teilzeitarbeit trägt dies erheblich zum Gender Pay Gap bei, was wiederum den Gender Care Gap bedingt. Vossler schließt: „Alles hängt mit allem zusammen und wir können kein Phänomen für sich allein betrachten.“

Die Ausstellung wird in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten des AWO Bezirksverbands Weser-Ems e. V., des Oldenburgischen Staatstheaters sowie der Polizeidirektion Oldenburg ermöglicht. Gefördert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung im Rahmen der Initiative „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Mai 2026. (30.04.2026).