Ein Märchen wie kein anderes
Von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell – Deutsch von Katharina Schmitt
»Es war einmal …« – so beginnen alle Märchen. Doch wer glaubt, die Geschichte von Belle und dem Biest schon zu kennen, wird in der außergewöhnlichen Theaterfassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell zum Märchenklassiker „Die Schöne und das Biest“ eines Besseren belehrt.
„Die Schöne und das Biest“ gehört zu den bekanntesten und ältesten Liebesgeschichten der europäischen Erzähltradition. Seine Wurzeln reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück: 1740 veröffentlichte die französische Schriftstellerin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve erstmals die Geschichte von der klugen jungen Frau und dem verfluchten Ungeheuer. Ein 362 Seiten umfassender Roman, welcher nicht für Kinder gedacht war, sondern zur Unterhaltung des Hofes und der Pariser Salons.
Rund sechzehn Jahre später griff Jeanne-Marie Leprince de Beaumont die Geschichte auf und kürzte sie zu der Fassung, die wir heute kennen: eine klare, moralische Erzählung über die Macht der Liebe, die wahre Schönheit im Inneren sucht. Diese Version verbreitete sich rasch in ganz Europa und wurde zu einem festen Bestandteil der Volksmärchen-Tradition.
Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Märchen unzählige Neuerzählungen, Bearbeitungen und Adaptionen von Theater und Ballett über Romane bis hin zu Filmen und Comics. Besonders Jean Cocteaus Animationsfilm von 1946 und die Disney-Verfilmung von 1991 prägten das Bild der Geschichte in der modernen Kultur.
Doch jenseits aller Versionen bleibt der Kern der Geschichte gleich: Es ist die Erzählung von einem Menschen, der lernt, hinter das Äußere zu sehen und von der Liebe, die verwandelt. Doch was erwartet die Zuschauenden im Oldenburgischen Staatstheater? Einiges ist altbekannt in unserer Bühnenerzählung: In einem fernen Land namens Frankreich, vor vielen Jahren, verirrt sich ein Vater in ein verlassenes Schloss. Aus Liebe zu seiner Tochter pflückt er eine Rose und gerät damit in die Fänge eines furchteinflößenden Biests. Um das Leben ihres Vaters zu retten, begibt sich Belle in das Schloss, wo sie fortan mit dem rätselhaften Herrn des Hauses lebt. Doch statt finsterer Schrecken warten dort unerwartete Wunder, Wünsche, die in Erfüllung gehen und ein Biest, das vielleicht weniger schrecklich ist, als es scheint. Warum fragt das Biest sie Abend für Abend, ob sie es liebe? Und was, wenn hinter der Fassade aus Fell und Furcht mehr steckt, als man ahnt?
In der Fassung von Mitchell und Kirkwood erwarten uns auch Überraschungen: Begleitet wird die märchenhafte Erzählung von den beiden Feen Mister Pink und Cécile. Ein charmant-chaotisches Moderationsduo, das mit Witz, Scharfsinn und einem „bahnbrechenden Gedankenfänger“ das Publikum verzaubert. Ihre Kommentare sprühen vor Ironie und machen das Märchen zu einer schillernden Show zwischen Zauber, Humor und unerwarteter Tiefe.
Mit viel Fantasie, Sprachwitz und einem modernen Blick auf das alte Volksmärchen entführt das Team um Regisseurin Krystyn Tuschoff das Publikum in eine Welt, in der Liebe, Mut und das Erkennen innerer Schönheit im Mittelpunkt stehen. Premiere feiert das Stück im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters am 30. November. Ein Stück für alle, die Märchen lieben und jene, die glauben, längst zu wissen, wie sie ausgehen.
Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Dezember 2025/26. (06.12.2025).
DIE SCHÖNE UND DAS BIEST
Von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell | Deutsch von Katharina Schmitt
PREMIERE: Sonntag, 30.11. | 15:00 Uhr | Großes Haus
BESETZUNG
Regie: Krystyn Tuschhoff | Bühne und Kostüme: Anike Sedello | Musik: Jan Wilhelm Beyer | Licht: Arne Waldl | Dramaturgie: Matthias Grön, Annika Müller | Theatervermittlung: Liliane Bauer
Mit: Florian Heise, Esther Berkel, Sofie Junker, Pippa Fee Ruperti, Franziska Werner, Gerrit Frers, Michel Brandt, Darios Vaysi, Statisterie des Oldenburgischen Staatstheaters
Vorstellungen: 1.12., 2.12., 3.12., 5.12., 6.12., 7.12., 8.12., 9.12., 10.12., 11.12., 12.12., 14.12., 15.12., 16.12., 17.12., 18.12., 21.12., 23.12., 26.12., 29.12., 4.1.
Die Vorstellung am 9.12., 9:30 Uhr, wird von Gebärdendolmetscher:innen begleitet.