
Weltweit bleiben die Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt auch im Jahr 2025 alarmierend. Nach wie vor erlebt rund ein Drittel aller Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Übergriffe. Darunter häusliche Gewalt, Zwangsprostitution, sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung oder digitale Gewalt. Besonders häufig geschieht dies im direkten sozialen Umfeld, verübt durch nahstehende Personen wie Partner, Ex-Partner oder Bekannte. Nach Angaben des Bundesministeriums des Inneren wurde 2023 nahezu täglich eine Frau getötet. Fast 70 Prozent dieser Fälle standen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Katharina Sturm betonte im BR-Podcast „Die neue Form“ zudem: „Nahezu alle Frauen mit Behinderung erleben psychische Gewalt, also Mobbing, Beleidigungen, Drohungen und solche Geschichten. Das ist deutlich höher als […] bei nicht behinderten Frauen.“
Zentral ist dabei stets ein strukturelles Machtgefälle zwischen den Geschlechtern, das Kontrolle, Erniedrigung und Ausbeutung begünstigt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die GdP-Bundesfrauengruppe betonen die drastische Entwicklung der häuslichen Gewalt gegen Frauen und fordern dahingehend eine Null-Toleranz-Strategie.
Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein privates Problem. Hinter Begriffen wie „Beziehungstat“, „Einzelfall“ oder „erweiterter Suizid“ verbirgt sich häufig eine Verharmlosung struktureller Ursachen: gesellschaftliche Normen und Rollenbilder, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen begünstigen. Dass diese Gewalt im schlimmsten Fall in Femiziden endet, macht deutlich, wie dringend Politik, Institutionen und Gesellschaft entschlossen handeln müssen. Seit 1999 ist der 25. November auf Beschluss der Vereinten Nationen ein internationaler Gedenk- und Aktionstag. Im Rahmen der Kampagne der Vereinten Nationen (UN) „Orange the World“ hat sich dafür auch der Begriff „Orange Days“ etabliert. Dabei geht es vor allem darum, dass der Kampf gegen Gewalt an Frauen und die Solidarisierung mit Betroffenen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden muss und einer breiten Aufmerksamkeit bedarf. Der „Gender Snapshot“ 2025 der UN und UN Women analysiert Fortschritte und Rückschritte bei der Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) aus Geschlechterperspektive. Der neueste „Gender Snapshot“ belegt: Es wurden Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter erzielt, diese sind aber bei weitem zu langsam und werden durch antifeministische Bewegungen bedroht. Laut Schätzungen der UN braucht es beim aktuellen Tempo fast 100 Jahre bis zur Gleichstellung der Geschlechter auf der Führungsebene.
Zahlreiche Institutionen in Oldenburg beteiligen sich aktiv an den Orange Days. So bietet die Landesbibliothek am Pferdemarkt anlässlich der Orange Days vom 25. November bis 10. Dezember einen Informations- und Lesebereich mit Fach- und Sachliteratur, sowie Romanen zum Thema Gewalt gegen Frauen an.
Diverse Bäckereien im Oldenburger Stadtgebiet verpacken Backwaren in Tüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen, und erreichen damit viele Bürgerinnen und Bürger. Insgesamt 24.000 Brötchentüten werden vom Präventionsrat in Kooperation mit dem ZONTA Club Oldenburg und dem Gleichstellungsbüro zur Verfügung gestellt.
Der AStA der Universität Oldenburg präsentiert in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Stadt eine kostenlose Ausstellung vom „Bündnis gegen Sexismus“. Von Montag, 24. November, bis Montag, 1. Dezember, kann man die Plakatausstellung im Mensa-Foyer (AStA-Trakt), Uhlhornsweg 49-55, über Themen wie Sexismus in der Arbeitswelt sowie in Kultur und Medien besuchen.
Aber auch als Privatperson kann man Aktionismus zeigen und leben. Flugblätter drucken, Wände plakatieren, ungemütlich werden, ins Gespräch gehen, Diskussionen führen und dadurch Aufmerksamkeit für Gleichstellungsthemen schaffen. Denn nur durch Handlung und Solidarität können wir etwas bewirken.
Welche Hilfsangebote und Beratungsstellen gibt es in Oldenburg für Betroffene?
BISS – Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt und Stalking: Telefon 0441 235-3798
Olena – Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Frauen: olena.beratung@web.de, Telefon 0441 235-2490
Wildwasser – Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen: www.wildwasser-oldenburg.de, Telefon 0441 16656
Autonomes Frauenhaus: www.frauenhaus-oldenburg.de, Telefon 0441 47981
Hanna-Haus: Telefon 0441 36132-899, Johanniter Frauen- und Kinderschutzhaus Oldenburg (JFKO)
Trans-Beratung OL: weser-ems@trans-recht.de, Telefon 0160-5889070
Netzwerk ProBeweis: www.probeweis.de
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Telefon 116016
Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Dezember 2025. (04.12.2025).