Jazz-Vielfalt in Oldenburg: Das GLOW Nordwest Festival 2025

Bald sind in Oldenburg wieder satte Klänge und fließende Melodien zu hören: Vom 25. bis 28. September findet das GLOW Nordwest Jazzfestival statt. Im Kulturzentrum PFL, im Kunst- und Literaturhaus Wilhelm13 und in der Aula der Carl von Ossietzky Universität erklingt dann Live-Jazz zum Genießen und Mittanzen. Den Veranstaltenden, der Jazzmusikerinitiative Oldenburg e.V. (JMO), ist dabei vor allem eines wichtig: die generationsübergreifende Vielfalt, Kreativität und internationale Vernetzung der Oldenburger und der regionalen Jazzszene sichtbar, hörbar und erlebbar zu machen.

Auf der Bühne stehen sowohl aufstrebende Nachwuchstalente als auch etablierte Künstler:innen aus nationalen und internationalen Kontexten sowie aus Oldenburg und umzu. Michael Hagemeister, Mitorganisator des GLOW Festivals, sagt dazu: „Die Oldenburger Jazzszene zeichnet sich dadurch aus, dass sie gute und bundesweit gefragte Musiker:innen hat.“ Dazu habe beigetragen, dass die Musikschule bereits in den 70er- und 80er-Jahren den Schritt hin zur populären Musik gewagt habe. Zudem hätten viele Künstler:innen aus Oldenburg und der Region in den Niederlanden studiert und seien anschließend zurückgekehrt. Hagemeister ergänzt: „Es ist eine sehr gut vernetzte Szene. Das wollten wir mit dem Festival zeigen – und das ist uns gelungen.“

Die stilistische Bandbreite des Programms reicht von Modern Jazz kleinerer Combos über originelle Arrangements für ungewöhnliche Besetzungen bis hin zu tanzbaren Genremixen in den Late-Night-Shows und kraftvollen Bigband-Sounds. Bei insgesamt elf Musikevents zwischen Young und Late-Night-Jazz kommen Liebhaber:innen der Musikrichtung voll auf ihre Kosten. Dabei bleibt das Festival dem Jazz treu, der sich in der Verbindung mit anderen Musiktraditionen und Genres kontinuierlich weiterentwickelt.

Das David Urban Quartet feat. Francisco Garrido (Fr. 26.09., 21:00 Uhr im Kulturzentrum PFL) vereint elektronische Klangwelten mit weichen Melodien. Das Electro Collectiv Oldenburg feat. Krystoffer Dreps & Moritz Sembritzki (Sa. 27.09., 22:30 Uhr im Wilhelm13) interpretiert Jazz mithilfe von Synthesizern und avantgardistischer Improvisation neu. Das Schneider Swing Trio (So. 28.09., 11:00 Uhr im Wilhelm13) mischt Jazz-Klassiker mit französischen Chansons und gibt ihnen einen modernen Twist. Diese und viele weitere Konzerte gibt es Ende September in Oldenburg zu erleben.  

Das GLOW Nordwest Jazzfestival knüpft an die Vorgänger „Jazz en bloc Festival“ (2011) und „kollektiv festival young jazz“ (2022) an. Jährlich soll das GLOW Festival laut Organisationsteam jedoch nicht stattfinden. Sollte der Auftakt auf gute Resonanz stoßen, könne man sich jedoch vorstellen, es im zweijährigen Rhythmus fortzuführen.

Gefördert wird das GLOW Nordwest Jazzfestival von der Stiftung Niedersachsen, der NDR Musikförderung in Niedersachsen, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der LzO Stiftung Kunst und Kultur. Unterstützt wird es außerdem von der Stadt Oldenburg, der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, dem Oldenburgischen Staatstheater sowie dem Wilhelm13 Musik- und Literaturhaus Oldenburg.

Infos und Tickets finden Sie unter www.jazzszene-nordwest.de/glow

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. September 2025. (10.09.2025).

Schultüte und Premierenfieber

Es gibt Tage, die tragen mehr Bedeutung, als man ihnen auf den ersten Blick ansieht. Der erste Schultag zum Beispiel: Zwischen Stolz und Unsicherheit, gespitzten Bleistiften und festgehaltenen Händen. Es liegt etwas in der Luft, eine Potenzialität, denn alles ist neu und alles ist möglich. 

Ganz ähnlich fühlt sich auch der erste Tag einer neuen Spielzeit im Theater an. Das Licht im Foyer leuchtet wieder auf, die Ankündigungen für die neuen Stücke hängen frisch an der Fassade, die Probenpläne liegen bereit. Ensemblemitglieder, Kolleginnen und Kollegen aus allen Gewerken kehren zurück aus den Theaterferien – neugierig, erwartungsvoll, vielleicht ein wenig nervös. Neue Kolleg:innen werden begrüßt, Freundschaften gefestigt oder geschlossen. Wie auf dem Pausenhof mischt sich Vertrautes mit Neuem, Routinen mit Überraschungen. Denn wir alle kommen zusammen, um das zu tun, was uns antreibt – unsere Profession und Leidenschaft: Theater machen. Welche Geschichten werden wir erzählen? Welche Begegnungen liegen vor uns?

Am 30. und 31. August geht es los: Mit „Vorhang auf“ eröffnet das Große Haus die Bühne für die neue Saison. Am 13. September folgt die erste Musiktheater-Premiere: Giuseppe Verdis „La Traviata“, eine berührende Geschichte über Liebe, Opferbereitschaft und gesellschaftliche Zwänge. Das Junge Staatstheater startet mit einer Uraufführung von Marc Becker mit dem Titel „Lügen lernen“ (14. September), die einen verspielten Blick auf das Schwindeln, Tricksen und Geschichten-Erfinden wirft. 

Im Schauspiel beginnt die Spielzeit am 20. September mit einer Inszenierung von William Shakespeares „Der Sturm“, erarbeitet von der Hausregisseurin Ebru Tartıcı Borchers. Es folgt am 28. September die Premiere der Komödie „Bondi Beach“ von Rebekka Kricheldorf in der Regie von Moritz Peters. Ein bissiger, kluger und humorvoller Abend über das Älterwerden und alles, was dazugehört.

Zudem feiern zahlreiche Produktionen den sieben Sparten ihre Wiederaufnahme, darunter das Musical „Cabaret“, das Schauspiel „Mascha K. (Tourist Status)”, das queerfeministische Straßentheaterprojekt „Sheroes #3“, der Audiowalk „Zukunftsmusik – wir werden uns erinnert haben“, die Kinderoper „Ritter Odilo und der strenge Herr Winter“, die Ballettinszenierung „Romeo und Julia“ und viele mehr.

Die kommenden Wochen versprechen intensive Proben, neue Perspektiven und Geschichten, die unter den Nägeln brennen. Wir freuen uns auf eine Spielzeit, die sich nicht nur künstlerisch weiterentwickeln möchte, sondern auch gesellschaftlich positioniert: Eine Spielzeit, die sich stärker denn je für Demokratie und Vielfalt auf und hinter der Bühne einsetzt. 

Denn wie Hermann Hesse schon wusste: „[J]edem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ 

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. September 2025/26. (29.08.2025).

Denkort U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge

Denkort „Bunker Valentin“ erstreckt sich am Weser-Ufer

Der erste Eindruck ist beklemmend. Ein riesiger Betonkoloss ragt am Ufer der Weser in den Himmel, grau, roh, fast surreal. Der „Bunker Valentin“ in Bremen-Farge wirkt wie ein Fremdkörper in der Landschaft und ist ein stummer Zeuge eines Ortes, an dem vielen Menschen ihr Leben genommen wurde. Heute ist er ein Denkort, der zeigt, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit der eigenen Umgebung auseinanderzusetzen. 

Bei dem grauen Gebäude handelt es sich um eine U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Mai 1943 begann die Kriegsmarine mit dem Bau des Bunkers „Valentin“, um dort U-Boote des damals neuen Typs XXI in Massenproduktion zu bauen. Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Karl Dönitz, hoffte mithilfe dieser Boote die Nachschubwege der Alliierten über den Atlantik unterbrechen zu können. Auf diese Weise sollte die Kriegsmarine einen entscheidenden Beitrag zu einer Wende im 2. Weltkrieg leisten. 

Bis zu 10.000 Zwangsarbeiter mussten zwischen Mai 1943 und April 1945 unter unmenschlichen Bedingungen täglich körperliche Arbeit bis zur vollkommenen Verausgabung auf der Baustelle leisten. Zunächst wurden vor allem Dienstverpflichtete und zivile Zwangsarbeiter:innen eingesetzt. Da Arbeitskräfte fehlten, wurde mit der SS über den Einsatz von KZ-Häftlingen verhandelt. Das KZ-Außenlager Farge wurde gebaut. Zivile Zwangsarbeiter aus ganz Europa, sowjetische Kriegsgefangene, italienische Militärinternierte, KZ-Häftlinge und Insassen eines sogenannten Arbeitserziehungslagers der Bremer Gestapo wurden zum Bau der Werft nach Farge deportiert. Viele von ihnen überlebten die anstrengende Arbeit, die mangelhafte Versorgung und die katastrophalen Lebensbedingungen in den umliegenden Lagern nicht. Während des Baus starben etwa 1.600 Zwangsarbeiter an Unterernährung, Krankheiten sowie willkürlichen Tötungen. Im November 2015 wurde der Dokumentations- und Erinnerungsort als „Denkort Bunker Valentin“ eröffnet. Träger ist die Landeszentrale für politische Bildung Bremen.

Im Bunker wird man von der Dunkelheit förmlich erdrückt. Die 18 Meter hohen Decken lassen alle Stimmen in der Halle widerhallen. Hinter Fensterscheiben sieht man die Schäden der Bomben der britischen Luftwaffe, die das Dach des Bunkers durchschlugen. Die Stahlstreben hängen aus den Einschlaglöchern im Beton nach unten wie Lianen, sodass dieser Bereich nicht mehr zugänglich ist. 

Durch die Ausstellungen und Informationsangebote, wie den Hörführungen über die kostenlose App des Denkortes oder den Multimediaguide, wird an die Schicksale der Inhaftierten erinnert. Auch Videoinstallationen innerhalb des Bunkers beschäftigen sich damit, wie die Zwangsarbeitenden verhaftet wurden, nach Farge deportiert wurden und auf der Baustelle arbeiten mussten. Die Gedenkstätte ist ein Relikt der nationalsozialistischen Rüstung für den Seekrieg und ein Mahnmal für die Opfer der NS-Herrschaft. 

Die Einschläge der Bomben der Royal Air Force sind heute noch im „Bunker Valentin“ sichtbar

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juli 2025. (09.07.2025).

Gedenken im Stadtraum – Über Puzzlestücke und Repräsentation

Wie aufmerksam nehmen wir unsere Umwelt wahr? Ich muss gestehen: Mein Blick ist nicht so aufmerksam, wie er sein könnte. In den letzten Wochen fällt mir das besonders auf, weil Katharina Pelosi durch ihre Arbeit am Audiowalk „Zukunftsmusik – wir werden uns erinnert haben“ meine Wahrnehmung der Stadt verändert und durch ihr kritisches Augenmerk schärft. 

Ich laufe durch die Stadt und entdecke plötzlich: Am Julius-Mosen-Platz steht eine Büste von Julius Mosen (1803–1867), einem Dramaturgen. Gibt es irgendwo sonst auf der Welt eine Büste eines Dramaturgen oder gar einer Dramaturgin? Schattenrisse, Abbildungen und Büsten von Graf Anton Günther, absolutistischer Landesherr und Reichsgraf von Oldenburg (1603–1667), begleiten mich auf Schritt und Tritt im Innenstadtring. Straßennamen, Plätze, die ich täglich nutze, sei es um Post zu verschicken oder Treffpunkte zu vereinbaren: Wessen Namen tragen sie? Wie und wann sind sie auf die Landkarten gelangt? Manche kenne ich aus meinem Bücherregal: Ibsenstraße, Lafontainestraße, Gebrüder-Grimm-Straße. Ihre Werke erklären ihre Präsenz auf den Straßenschildern. Aber viele andere bleiben mir fremd. Vielleicht liegt es daran, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht oder das Besondere im Alltäglichen.

Nach der öffentlichen Debatte um das Wandbild der Oldenburger Frauen an der Autobahnbrücke in Wechloy gehe ich aufmerksamer durch die Straßen. Ich frage mich: An wen erinnern wir und wie? Und plötzlich sehe ich es überall: Gedenken ist allgegenwärtig. Wir erinnern durch Denkmäler, Gedenktafeln, Kunstinstallationen. Geschichte wird im Stadtraum sichtbar – nicht bloß als Rückblick, sondern als Auseinandersetzung mit der Gegenwart, mit Verantwortung für die Zukunft. Der öffentliche Raum ist für alle zugänglich und spiegelt Machtverhältnisse, Narrative und gesellschaftliche Werte wider. Geschichte ist nicht objektiv. Historikerinnen und Historiker sind sich heute einig: Vergangenheit lässt sich nicht neutral rekonstruieren. Es gibt keine reinen, isolierten Tatsachen in der Geschichtsschreibung. Eine empirisch exakte Geschichtswissenschaft bleibt eine Illusion.

So sitze ich vor einer weiteren Büste auf dem Cäcilienplatz, benannt nach Prinzessin und Großherzogin Cäcilie von Schweden (1807–1844), und blicke auf Helene Lange, in Bronze gegossen für die Ewigkeit. Eine Person, die ich nicht kenne. Und ich denke an eines der bekanntesten Bilder von René Magritte: eine gemalte Pfeife mit dem Schriftzug „Ceci n’est pas une pipe“ – „Das ist keine Pfeife“. So wie Magrittes Pfeife nur ein Bild ist, ein Zeichen, suche ich auch hier die Beziehung zwischen Objekt, Bezeichnung und Repräsentation.

Ebenso wie die Pfeife auf dem Bild keine Pfeife ist, nur ein Abbild von einer, eine semiotische Verschiebung, so suche ich meine Beziehung zwischen dem Objekt, seiner Bezeichnung und seiner Repräsentation. 

Wessen Geschichte wird erzählt und wessen nicht? Welche Denkmäler und Namen bleiben? Wer wird im Gedächtnis bleiben, wer hört zu und wer erzählt? Fragen mit denen sich auch der Audiowalk „Zukunftsmusik – wir werden uns erinnert haben“ von Katharina Pelosi auseinandersetzt. Ausgestattet mit Kopfhörern und Stadtplan werden Teilnehmende an Erinnerungsorten in der Innenstadt vorbeigeführt. In einem 70-minütigen Audiowalk führt eine virtuelle Begleiterin durch Oldenburg. Sie blickt auf unsere Gegenwart und fragt sich „Wie erinnern wir uns und an wen?“

Und bevor Sie sich fragen: Ja, ich finde es schön, dass sie da sind, diese Puzzlestücke der Erinnerung. Wenn man durch die Stadt läuft und die Augen offenhält, kann man sich ein Bild zusammensetzen, vielleicht nicht das einer vollständigen Geschichtsschreibung. Aber das einer Stadt, wie sie sich selbst darstellen, erzählen und erinnern will. Ich jedenfalls beginne eine Geschichtsschreibung im Kopf. An wen will ich mich einmal erinnern? Und wofür?

ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN 

Audiowalk von Katharina Pelosi

Vorstellungen: 7.6., 12.6., 14.6., 18.6., 19.6., 20.6., 21.6.

Konzept und Realisation: Katharina Pelosi | Visuelles Konzept: Anai Dittrich | Künstlerische Produktionsleitung: Annika Müller | Dramaturgie: Verena Katz

Sprecher:innen: Anna Seeberger, Matthias Kleinert, Malou Walzl

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Juni 2024/25. (07.06.2025).

Frauen gestalten Stadt – Das WOMEN IN ARCHITECTURE FESTIVAL 2025 in Oldenburg

Vom 19. bis 29. Juni 2025 findet das bundesweite WOMEN IN ARCHITECTURE FESTIVAL 2025 (WIA25) statt – ein Festival, das Denkräume öffnet und die Zukunft des Planens und Bauens neu betrachtet. Nach dem erfolgreichen Auftakt in Berlin im Jahr 2021 bringt WIA25 erstmals in ganz Deutschland Stimmen und Perspektiven von Frauen aus Architektur, Innenarchitektur, Stadt- und Freiraumplanung sowie Ingenieur- und Baukunst zusammen. Mehr als 200 Akteur:innen präsentieren rund 265 Veranstaltungen, die sich für mehr Sichtbarkeit und Diversität in der Baukultur einsetzen. Mit einem vielschichtigen Programm aus Ausstellungen, Filmreihen, Vorträgen, Führungen, Symposien und Workshops fördert das Festival Austausch und Vernetzung.

Die bundesweite Verbindung dieser Akteur:innen ist für Lisa Gerth und Małgorzata Gedlek, die das Festivalbüro gemeinsam nach außen vertreten, besonders hervorzuheben: „In ganz Deutschland setzen sich Menschen für Gleichberechtigung und Vielfalt in der Baukultur ein. WIA25 macht diese Leistungen erstmals gebündelt sichtbar, vernetzt Institutionen, Verbände und Initiativen und stärkt so den gemeinsamen Diskurs.“

Das Festival versteht sich als Plattform für Gleichstellung, Teilhabe und strukturellen Wandel im Bauwesen. Im Zentrum steht die Etablierung einer inklusiven, offenen und zukunftsfähigen Baukultur. Auch in Oldenburg findet ein vielfältiges Programm im Rahmen von WIA25 statt.

Ein Netzwerk macht sich stark

In der Galerie Staublau zeigt das Ingenieurinnen-Netzwerk Oldenburg (INGNET e.V.) eine Ausstellung mit Arbeiten von Architektinnen, Ingenieurinnen, Stadt- und Landschaftsplanerinnen sowie Studentinnen dieser Fachrichtungen. Die Werke thematisieren die Sichtbarmachung von Frauen im nach wie vor männlich besetzten Planungs- und Bauwesen. Dabei geht es um strukturelle Probleme wie den Gender-Pay-Gap (das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen), unsichtbare Arbeit und den Rücklauf der Selbstständigkeit von Frauen in dem Berufsstand.

Die Ausstellung wird am 20. Juni um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Im Garten der Galerie ist außerdem eine Kunstinstallation zu Maya (der Mutter Buddhas) von der Bildenden Künstlerin und Landschaftsplanerin Dr. phil. Insa Winkler zu sehen.

Ergänzt wird das Oldenburger Programm durch Vorträge, Stadtspaziergänge und Workshops von Architektinnen, Landschaftsplanerinnen, Professorinnen und Studentinnen. Thematisch liegt der Fokus der Vorträge auf Resilienz und Selbstfürsorge im Arbeitsalltag, Sichtbarkeit auf Social Media sowie aktuellen Bauprojekten in Oldenburg.

Dr. phil. Insa Winkler lädt zudem zu Stadtspaziergängen unter dem Titel „Maya: Awakening from Phubbing“ ein. „Phubbing“ bezeichnet die unhöfliche Nutzung des Smartphones während einer sozialen Interaktion (eine Wortmischung aus „phone“ und „snubbing“, also jemanden ignorieren). Dies lässt uns unsere Umwelt oft völlig vergessen. Bei den Stadtspaziergängen führt die Künstlerin Gruppen durch den Stadtraum. Unter ihrer Anleitung werden Übungen zur Wahrnehmung der Umgebung und zur Orientierung ohne technische Hilfsmittel durchgeführt. Ziel ist es, sich im Rahmen von „Social Landart“ bewusster mit dem eigenen Erleben von Raum und Umwelt auseinanderzusetzen. Treffpunkt ist die Galerie Staublau, eine Anmeldung ist möglich unter: root@futurelandscape.eu

Darüber hinaus gibt Architektin Lieve Runge bei einer Baustellenführung Einblicke in die Sanierung der historischen Villen des Stadtmuseums Oldenburg. Anmeldung unter: ingnet@gmx.de

Gemeinsam für mehr Gleichstellung

Der INGNET e. V. ist ein Zusammenschluss von Frauen aus verschiedenen technischen Berufen, er ermöglicht fachlichen Austausch und beschäftigt sich mit sozialen und rechtlichen Fragen von selbstständigen und angestellten Frauen überwiegend im Baubereich. Federführend für die Architektenkammern Deutschlands entwickelt und organisiert die Architektenkammer Berlin gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer das WOMEN IN ARCHITECTURE FESTIVAL 2025.

Weitere Informationen unter: https://wia-festival.de

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Juni 2025. (11.06.2025).

Vielfalt sichtbar machen: Großformatige Porträts in der Oldenburger Innenstadt

Oldenburger Innenstadt: In der Heiligengeiststraße stellt der Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg e.V. sein internationales Fotoprojekt „Inside Out“ aus.

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung am 5. Mai 2025 präsentiert der Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg e.V. (GWO e.V.) eine besondere Open-Air-Ausstellung in der Heiligengeiststraße. Unter dem Titel „Inside Out“ sind dort bis zum 30. Juni 2025 großformatige Porträts von 52 Menschen mit Beeinträchtigung zu sehen. Die international tätige Fotografin Nika Kramer hat die Teilnehmenden so fotografiert, wie sie sich selbst sehen und zeigen möchten: Mal mit breitem Lächeln, mal ganz zurückhaltend, aber immer authentisch. Darunter der Schriftzug und die Forderung: „In die Mitte der Gesellschaft“ sowie die Frage „Was ist Inklusion für dich?“.

Öffentlicher Raum für Sichtbarkeit und Diskurs

Das Projekt verfolgt das Ziel, Menschen mit Beeinträchtigung in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und ihnen Raum zu geben, um auf ihre Perspektiven und Anliegen aufmerksam zu machen. Für sie geht es um Teilhabe, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung. Neben den Porträts wurden auch Einzelinterviews geführt, in denen die Teilnehmenden ihre Gedanken zu den Themen Inklusion und Barrierefreiheit äußern konnten. Die dazugehörigen Videos sind auf der Website wfbm-oldenburg.de abrufbar. In einem Satz, den alle ergänzen, bringen sie es auf den Punkt: „Inklusion ist für mich …“

Die Antworten sind klar und eindringlich: Dabei sein, gesehen werden, im Alltag mitwirken können. Eine Teilnehmerin sagt bestimmt: „Dass alle am Leben teilnehmen sollen.“ Auf die Frage „Was ist eine Barriere in deinem Leben?“ antwortet eine andere: „Dass viele die Inklusion nicht akzeptieren.“ Auch konkrete Alltagsprobleme werden benannt: „Dass ich keine passende Wohnung finde.“ – „Dass ich mit meinem Geld nicht über die Runden komme.“

Auf diese Weise wird nicht nur die Vielfalt der Beteiligten sichtbar, sondern auch ihr Alltag, ihre Herausforderungen und Wünsche an eine inklusive Gesellschaft. 

Der GWO e.V. will mit dieser öffentlichen Aktion zur Sensibilisierung beitragen und den gesellschaftlichen Dialog über Inklusion und Barrierefreiheit stärken. 

Globales Kunstprojekt in lokaler Umsetzung

Das „Inside Out“-Projekt wurde 2011 durch den französischen Künstler JR ins Leben gerufen. Die partizipative Plattform nutzt großformatige Schwarz-Weiß-Porträts im öffentlichen Raum, um weltweit Gemeinschaften eine Stimme zu geben und Diskurse anzuregen. In den letzten zehn Jahren haben auf diese Weise mehr als 500.000 Menschen aus 152 Ländern am „Inside Out“-Projekt teilgenommen. Dabei werden Themen wie Vielfalt, Gemeinschaft, Feminismus, Rassismus, Klimawandel, Bildung, Kinderrechte, Kunst und vieles mehr in den Fokus gesetzt. 

Ermöglicht wurde das Projekt in Oldenburg durch die finanzielle Förderung der Stiftung Teilhabe, die sich seit über zehn Jahren für Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung in Oldenburg engagiert. Zusätzlich übernahm der Fotodienstleister CEWE Stiftung & Co. KGaA das Sponsoring der Banner. Auch das Innenstadtmanagement der Stadt Oldenburg steht hinter dem Projekt und unterstützte den Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg e.V. aktiv bei der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsort.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Mai 2025. (28.05.2025).

Computermuseum: Zeitreise im Serious Escape Room

Oldenburg (Annika Müller) „Der letzte Beweis – Das Rätsel der Morgenstern-Apotheke“: So lautet der Titel eines spannenden, interaktiven Spielerlebnisses im Oldenburger Computermusuem (OCM) am Bahnhofsplatz. Noch bis zum bis 30. Mai laden Schüler/innen des Herbartgymnasiums auf 20 Quadratmetern darin zu gemeinschaftlicher politischer und kultureller Bildung ein. Die Spieler/innen schlüpfen in einem Escape Room in die Rolle von Apotheker-Lehrlingen im Jahr 1949. Ein ehemaliger KZ-Aufseher steht vor Gericht, doch die entscheidenden Beweise fehlen. Apotheker Morgenstern, selbst politisch verfolgt, hat sie in seinem Tagebuch hinterlassen – doch wo? Die Besucher/innen werden in die Apotheke geführt. Sie haben nur eine Stunde Zeit, um Hinweise zu entschlüsseln und den Täter zu überführen.

Das Projekt entstand im Rahmen des Erinnerungsgangs. Seit 1981 halten die Oldenburger/innen am 10. November das Gedenken an die Ereignisse der Novemberpogrome von 1938 wach, indem sie die Route nachgehen, auf der die Menschen durch die Stadt getrieben wurden. Sie setzen so ein Zeichen gegen Hass, Gewalt und Antisemitismus. Die Ausgangslage des Escape Rooms ist fiktiv, doch manche Figuren, um die es in der Geschichte geht, sind real begründet. Apotheker Morgensterns Freund Jakob basiert auf Jakob de Jonge. Er war einer der jüdischen Männer, die während der Pogrome durch Oldenburg getrieben wurden.

Projektwoche im Herbartgymnasium

Die Schüler/innen beschäftigten sich im Rahmen einer Projektwoche mit der Thematik und planten im Anschluss in einer AG den Serious Escape Room. Sie gestalteten Kulissen, programmierten die Technik und entwarfen Rätsel. Unterstützt wurden sie dabei von der Agentur „WELT DA DRAUSSEN“, die sich auf historische Serious Games spezialisiert hat. Eric Haisel war Teilnehmer der AG und erzählt: „Ich fand es gut, dass alle Schüler, die mitgemacht haben, eigene Ideen einbringen konnten, sodass am Ende etwas Persönliches dabei entstanden ist.“ Und auch nach Fertigstellung des Escape Rooms werden dessen Besucher/innen von den Schüler/innen des Herbartgymnasiums begleitet. Jeweils ein/e Schüler/in der AG übernimmt die Spielleitung für die immersive Zeitreise. Begleitmaterialien und eine Einordnung durch die jeweilige Spielleitung regen zudem zur Auseinandersetzung mit Zivilcourage, Erinnerungskultur und aktuellen Formen des Antisemitismus an.

Computermuseum bietet Raum für Aktionen

Einen Raum fand das Projekt im „OCM Hub“ des Oldenburger Computermuseums, einer vielseitig nutzbaren Halle für Veranstaltungen, Sonderausstellungen und gemeinschaftliche Aktivitäten. Sonja Degenhard, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin des „OCM Hub“, sagt über das Projekt: „Der Escape Room vereint kulturelle Bildung mit moderner Technik und passt daher sehr gut bei uns ins Museum, denn wir sehen nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft.“

Information:

Der Serious Escape Room ist geeignet für drei bis sechs Spieler/innen ab 14 Jahren. Der Besuch ist kostenlos. Die Reservierung ist über die Website des Oldenburger Computermuseums möglich: www.computermuseum-oldenburg.de.

Das Projekt „Der letzte Beweis – das Rätsel der Morgenstern-Apotheke“ ist eine Kooperation zwischen dem Kulturbüro der Stadt Oldenburg und dem Herbartgymnasium. Die Agentur „WELT DA DRAUSSEN“, unterstützte die Mitwirkenden fachlich. Die Stadt Oldenburg, die EWE Stiftung sowie das Programm Schule:Kultur förderten das Projekt.

Veröffentlicht: Oldenburger Onlinezeitung. (15.05.2025).

Ernährungsrat: Kochworkshop „Vegane Snacks“

Es klappern Töpfe, Pfannen und Geschirr in der Küche des Hotels Tafelfreuden: Der Ernährungsrat Oldenburg (EROL) hat wieder eingeladen zum kostenlosen Kochworkshop. Innerhalb der dreistündigen Veranstaltung entstehen mit bis zu 20 Teilnehmenden süße und herzhafte vegane Snacks, die am Ende des Abends gemeinsam verkostet werden. Egal ob kochbegeisterte Profis oder Kochanfänger/innen, der Workshop ist offen für alle, die Interesse an veganen Rezepten haben und kreative Rezepte ausprobieren möchten. In der Hotelküche liegen für den Workshop Rezepte und Zutaten für Grünkernfrikadellen, vegane Snickers, Kichererbsensnacks, herzhafte Müsliriegel und vieles mehr bereit. Jede Gruppe bekommt eine ehrenamtliche Helferin zur Seite gestellt, die Gruppenmitglieder teilen die Aufgaben auf und stellen die passenden Zutaten zusammen.

Die hauptamtliche Mitarbeiterin des Ernährungsrates, Judith Busch, erzählt, dass der EROL seit November 2017 bereits sechsmal den veganen Kochworkshop angeboten hat. Anfangs war das Interesse noch verhalten. Die große Nachfrage nach dem Angebot gäbe es erst seit ein bis zwei Jahren. Ob „Vegane Dips“, „Vom Blatt bis zur Wurzel“ oder „Vegane Snacks“, die Themen der Workshops sind vielseitig. Die Rezepte sind auch auf der Website des Ernährungsrats unter www.ernaehrungsrat-oldenburg.de aufgeführt. „Es ist einfach ein entspannter Abend. Es ist niedrigschwellig und es macht Spaß, gemeinsam zu kochen und neue Rezepte auszuprobieren“, sagt Judith Busch.

Vielfalt der veganen Küche begeistert

Bei dem Format gehe es darum, Menschen anzusprechen, die offen dafür sind, etwas Neues auszuprobieren und zu zeigen, wie gesunde und pflanzliche Snacks schnell zubereitet werden können. „Die Teilnehmenden werden nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufgefordert, sich vegan zu ernähren“, so Judith Busch. Vielmehr steht die bewusste Ernährung im Vordergrund. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Marlies Aster, die bereits seit zwei Jahren beim Ernährungsrat aktiv ist, ergänzt: „Ich finde es wichtig zu verbreiten, was man aus einfachen Lebensmitteln auch an veganen Gerichten machen kann.“ Die Workshops zeigen die Vielfältigkeit der veganen Küche und fordern heraus, selbst auch mal wieder was auszuprobieren, weil dafür oft die Zeit fehlt. Das gefällt auch der Teilnehmerin Margit Schuhmacher: „Wir kochen immer mehr vegetarisch zuhause. Ich habe mir erhofft, neue Rezepte kennenzulernen und Alternativen zu finden. Wir sind keine Menschen, die sich gerne langweilen.“ Eng gedrängt arbeiten die Teilnehmenden nebeneinander in der Profiküche. Es ist das erste Mal, dass der Workshop in einer professionellen Gastroküche stattfindet. In der Regel finden die Abende im kreativ:LABOR bei der Kulturetage in der Bahnhofstraße statt. Der Vorteil, den alle Teilnehmenden zu schätzen wissen, dass in den großen Ofen der Hotelküche mehrere Gerichte gleichzeitig zubereitet werden können.

Gemeinschaftlich kochen und essen

Nach dem gemeinschaftlichen Kochen steht das gesellige Zusammensein mit dem großen Buffett aller kulinarischen Ergebnisse auf dem Programm. Die süßen und herzhaften Gerichte werden gekostet und besprochen. Was ist das Fazit der Feierabendveranstaltung? Teilnehmerin Britta Harms abschließend: „Ich werde die Rezepte auf jeden Fall zuhause nachkochen!“ Lea Niemeier, die bereits mehrfach bei Veranstaltungen des Ernährungsrates war, erzählt lächelnd: „Wir haben vegane Snickers gemacht. Und es war toll zu sehen, dass man das ganz einfach selbst machen kann.“ Zum Ende des Kochworkshops sind alle satt, zufrieden und voller neuer Ideen für das eigen. Die nächste Veranstaltung des Ernährungsrates ist wieder ein Workshop: Für alle Interessierten wird eine Einführung in die Speisepilzzucht im kreativ:LABOR angeboten. 

Die Anmeldung ist per E-Mail möglich: info@ernaehrungsrat-oldenburg.de

Was ist ein Ernährungsrat? Es handelt sich dabei um ein beratendes Gremium, welches eng mit der Stadtpolitik und -verwaltung zusammenarbeitet. Die ersten Ernährungsräte bildeten sich in Köln, Berlin, Frankfurt und Dresden. 2017 folgte Oldenburg dem Beispiel der Großstädte. Dabei sind die Ziele unter anderem, regionale, ökologische und gerechte Versorgung mit Nahrungsmitteln, die Förderung der Beziehungen zwischen Stadtbewohner/innen und Erzeuger/innen und die Ernährungsbildung. Im Rahmen dessen bietet der Ernährungsrat in Oldenburg regelmäßige Kochworkshops zu veganer Küche an. Der EROL besteht aus rund 35 ehrenamtlich tätigen Bürger/innen Oldenburgs, die sich in einer 15-köpfigen gewählten Vertretung organisieren. Die Mitglieder dieser Vertretung kommen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik und setzen mit weiteren Ehrenamtlichen konkrete Projekte zu den oben genannten Themen um.

Der Ernährungsrat Oldenburg agiert unter dem Dach des Vereins „transfer – Netzwerk nachhaltige Zukunft“.

Nächste Termine:

  • Jeden 1. Donnerstag im Monat, 19 Uhr: Öffentliche Sitzung des Ernährungsrats
  • Montag, 19. Mai, 18-21 Uhr Workshop: Einführung in die Speisepilzzucht Indoor, kreativ:LABOR, Bahnhofstraße 11, Oldenburg
  • Freitag, 23. Mai, 11-18 Uhr: Infostand 30-Jahre Bauernmarkt Oldenburg, Rathausmarkt

Weitere Informationen und Termine sind online unter www.ernaehrungsrat-oldenburg.de zu finden.

Veröffentlicht: Oldenburger Onlinezeitung. (12.05.2025).

»Ich glaube nicht, dass wir hier je zur Ruhe kommen« 

Warum Mascha Kaléko heute noch berührt

»Mir ist zuweilen so, als ob 

Das Herz in mir zerbrach. 

Ich habe manchmal Heimweh. 

Ich weiß nur nicht, wonach.«

Diese Zeilen der Dichterin Mascha Kaléko sind schlicht, direkt und treffen doch mitten ins Herz. Kaléko, die in den 1930er-Jahren mit ihrer Großstadtlyrik bekannt wurde, verstand es, die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Zeit in prägnante Verse zu fassen. Ihre Gedichte erzählen von Liebe und Verlust, vom Exil und der Suche nach Heimat – Themen, die bis heute nichts an Relevanz verloren haben. Die Lebensgeschichte der Dichterin, die sich ihr Leben lang auf der Suche nach Heimat befand, wird auf der Bühne des Kleinen Hauses im Oldenburgischen Staatstheater in der Inszenierung »Mascha K.« von Ebru Tartıcı Borchers zur Aufführung gebracht. 

»Ich glaube nicht, dass wir hier je zur Ruhe kommen«, schrieb Mascha Kaléko 1941 in ihr Tagebuch. Geboren wurde Kaléko 1907 in Galizien. Während des Ersten Weltkriegs siedelte sie mit ihrer Familie nach Deutschland über, wo sie später auch Karriere mit ihrer Literatur machte. Sie kam unter anderem mit Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz als Vertreter:innen der künstlerischen Avantgarde in Kontakt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialist:innen und dem Verbot ihrer Bücher als »schädliche und unerwünschte Schriften« wurde sie mit ihrer Familie erneut zur Emigration gezwungen. Zusammen mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn landete Kaléko in New York, in einer zu kleinen Wohnung und der Möglichkeit beraubt, ihrer künstlerischen Tätigkeit nachzugehen. Was bedeutet es zu schreiben und rezipiert zu werden? Was bedeutet es Kunst machen zu können oder diese Möglichkeit zu verlieren? Und was bedeutet es immer auf der Flucht zu sein und niemals anzukommen? Fragen über Migration und Exil, die zeitlos und brennender denn je sind – denn Mitte 2024 sind weltweit 122,6 Millionen Menschen auf der Flucht. 

Kalékos Gedichte treffen heute wie vor hundert Jahren auf den Punkt, da sie Gefühle zum Ausdruck bringen, mit denen man genauso heute wie morgen resonieren kann. Ob Herzschmerz, Einsamkeit oder die Freude über die kleinen alltäglichen Dinge. In ihrer sprachlichen Poetik fängt die Autorin die universell-menschlichen Emotionen ein. Das ist es doch, was gute Literatur ausmacht, oder? Die Gewissheit darin zu finden, dass bereits andere Menschen, sei es vor hundert oder tausend Jahren, schon einmal dasselbe gefühlt oder gedacht haben, wie man selbst. 

Wenn man Lyrik liest, wie die von Mascha Kaléko, kann man sich nicht alleine fühlen. Und das ist etwas ganz Wunderbares. 

MASCHA K. (TOURIST STATUS)

Schauspiel von Anja Hilling

PREMIERE: Freitag, 6.6. | 20:00 Uhr | Kleines Haus 

Einführungssoirée und Probenbesuch: 26.5. | 18:00 Uhr | Hauptfoyer 

Vorstellungen: 11.6., 18.6., 20.6., 25.6., 2.7.

Regie: Ebru Tartıcı Borchers | Bühne: Sam Beklik | Kostüme: Luisa Wandschneider | Musik: Dani Catalán | Licht: Philipp Sonnhoff | Dramaturgie: Verena Katz

Mit: Meret Engelhardt, Paulina Hobratschk, Katharina Shakina, Franziska Werner, Gerrit Frers, Konstantin Gries, Florian Heise

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Mai 2024/25. (10.05.2025).

Tanz trifft Umweltbewusstsein an der IGS Flötenteich

Die Sosolya Undugu Dance Academy aus Uganda thematisiert Einheit, Frieden und die Zukunft unserer Erde

Am Donnerstag, den 15. Mai, öffnen sich ab 18 Uhr im Forum der IGS Flötenteich die Türen für die Vorstellung der ugandischen Jugendgruppe „Sosolya“ im Rahmen der KinderKulturKarawane.

Globale Themen auf der Bühne

In ihrer Tanztheaterinszenierung setzt sich die Gruppe mit Fragen nach Besitzansprüchen, dem Verzicht auf Privilegien und der Dringlichkeit globale Herausforderungen – wie den Schutz des Planeten Erde – gemeinsam anzugehen, auseinander. Die Produktion ist ein Aufruf zum Aufwachen, Erinnern und Handeln. Sie fordert dazu auf, sich auf die Ursprünge zu besinnen, nicht nur, um die Vergangenheit zu verstehen, sondern um eine Zukunft zu gestalten, in der Gemeinschaft und Zusammenhalt wachsen können.

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt. Hier können sich die Zuschauer:innen mit Gästen über klimapolitische Fragen und globale Lösungsansätze für mehr Klimagerechtigkeit austauschen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Kunst schafft Perspektiven

Die Sosolya Undugu Dance Academy wurde vor einigen Jahren von jungen Künstler:innen in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, gegründet. Die Jugendlichen stammen meist aus prekären familiären Verhältnissen. Ziel der Academy ist es, Selbstvertrauen zu stärken, Bildungszugänge zu schaffen und neue Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.

Kooperationspartner der IGS Flötenteich sind das Ökumenische Zentrum Oldenburg und der Verein Werte der Kinder / Oldenburg – Uganda.

Die KinderKulturKarawane lädt jedes Jahr fünf bis sieben Kinder- und Jugendkulturgruppen aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Deutschland, Österreich, Dänemark und in die Schweiz ein. Die Gruppen präsentieren ihre künstlerischen Produktionen an Schulen, in Jugend- und Kulturzentren, Theatern, auf Festivals oder bei anderen Kulturveranstaltungen – und geben Workshops. So erzählen sie von ihrem Leben, ihren Ängsten, Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft. Mit einem vielfältigen Programm aus Tanz, Theater und Zirkus versprechen sie spannende und inspirierende Begegnungen und das auch Mitte Mai in Oldenburg.