Ferien mit Rhythmus: „EMMA“-Musikcamp in Wolfenbüttel

Ferien: Camp, Freundinnen und Musik. Um gemeinsam Rock, Hip-Hop, Funk und Punk zu spielen, sich auszuprobieren und neu zu erfinden, kommen Saiten-, Tasten- und Blasinstrumentspielerinnen und Sängerinnen zusammen. Genau das finden musikinteressierte Mädchen vom 30. Juli bis 3. August im „MädchenMusikCamp EMMA“ in Wolfenbüttel. Und alle können mitmachen, denn die Bands werden nach Kenntnisstand und Erfahrungen der Teilnehmerinnen eingeteilt. In diesem Jahr bietet die Hip-Hop-Band „Queen of the Beat“ eine Möglichkeit für Mädchen mit wenig oder keiner Erfahrung im Instrumentalspiel oder Gesang, erste musikalische Schritte zu wagen. In abendlichen Sessions wird gemeinsam musiziert und in Kursen und Workshops mit erfahrenen Dozentinnen – für Anfängerinnen und Fortgeschrittene – können Teilnehmerinnen theoretische und praktische Grundlagen erlernen oder ihr Wissen vertiefen. Die Geschäftsführerin Vera Lüdeck beschreibt die Besonderheit von „EMMA“: „Dass die Mädchen unter sich Musik machen können. Wir veranstalten „EMMA“ seit zehn Jahren und stellen immer wieder fest, wie viel es ausmacht, wenn Mädchen unter sich sind. Es bedeutet Empowerment und voneinander zu lernen. Heutzutage ist es umso wichtiger, weibliche Stärke zu zeigen und zu feiern.“ Die Teilnehmerinnen übernehmen dabei auch Aufgaben, die sonst eher untypisch für sie sind – etwa die komplette Veranstaltungstechnik. Besonders hebt Vera Lüdeck die wertschätzende Atmosphäre hervor, die das Camp zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

Parallel zu „EMMA“ finden die Niedersächsischen Frauenmusiktage statt. Dabei haben die Teilnehmerinnen die Gelegenheit, gemeinsam mit den Musikerinnen der Frauenmusiktage an Warm-ups, abendlichen Sessions, Crashkursen, der Female Drum Parade und dem Abschlusskonzert mitzuwirken. Zudem gibt es gemischte Bands, in denen die Mädchen mit den erfahrenen Musikerinnen zusammenspielen können. Ein generationsübergreifendes Konzept, das aufgeht, sagt Vera Lüdeck. In diesem Jahr wird es sogar eine zusätzliche gemischte Band geben – ein Wunsch, der aus der Teilnehmerschaft selbst kam. So wird auch der musikalische Erfahrungsaustausch zwischen Frauen und Mädchen weiter gefördert.

Bis 1. Juni können sich Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren über die Internetseite www.emma-nds.de anmelden. Die Teilnahmegebühr beträgt 100 Euro. Darin sind die Teilnahme am Camp, Verpflegung und Übernachtung im Jugendgästehaus Wolfenbüttel enthalten. Nur die Musikinstrumente müssen die Teilnehmerinnen selbst mitbringen. Dazu wird für eine sozialpädagogische Betreuung gesorgt sowie ein Spezialprogramm zum gemeinsamen Basteln angeboten. 

Ob erste musikalische Schritte oder neue Herausforderungen – das „MädchenMusikCamp EMMA“ bietet Raum für Kreativität, Gemeinschaft und musikalische Entfaltung. Eine Woche voller Musik, neuer Freundschaften und unvergesslicher Erlebnisse – und am Ende vielleicht sogar der erste eigene Song auf der Bühne.

Das „MädchenMusikCamp EMMA“ ist ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Rock in Niedersachsen e. V. und wird gefördert von Der Paritätische, RockHarz, Glück in Dosen und Holger Maack Stiftung. 

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. April 2025. (16.04.2025).

Eine bunte Seele – Esther Filly im Gespräch

 © Patrick Nagel

Esther Filly ist eine Künstlerin, die im Gedächtnis bleibt. Mit ihrer markanten Soulstimme, ihrem extravaganten Stil und einer Bühnenpräsenz, die zwischen Glamour und geerdeter Ehrlichkeit pendelt, hat sie sich einen Platz in der deutschen Musiklandschaft geschaffen – eigen, unverwechselbar und voller Persönlichkeit. 

Esther Filly sitzt mit aufgestützten Armen am Tisch. Ihr Blick ist offen, ihr Lächeln herzlich, während sie beginnt, ihre Geschichte zu erzählen.

Seit 1994 steht die heute 58-Jährige als Berufssängerin auf der Bühne. Die Liebe zur Musik begleitet sie schon seit ihrer Kindheit. Obwohl sie in einem konservativen Elternhaus aufwuchs, zog es sie früh auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Besonders erfolgreich war sie viele Jahre mit einer Show-Revue zu Amy Winehouse, wie sie lachend berichtet. Parallel dazu entwickelte sie stetig ihren eigenen Stil und fand ein wachsendes Publikum, das genau diese Eigenständigkeit schätzte.

So begann sie, Doppelabende zu veranstalten: eine halbe Stunde Amy Winehouse, eine halbe Stunde Esther Filly. Bis sie 2021 entschied: Jetzt gibt es nur noch mich. Nur noch Esther Filly.

Ridstyle: Ein Konzept gegen das Schubladendenken

Wie sie ihren Stil beschreiben würde? Mit einem einzigen Wort: Ridstyle. Eine Eigenkreation, die sie sich 2017 sogar patentieren ließ. Warum? „Ich bin ein totaler Feind vom Schubladendenken“, sagt sie bestimmt. Der Begriff Ridstyle – abgeleitet vom englischen to get rid of something, also sich freimachen – steht für ihre Weigerung, sich festlegen zu lassen, weder musikalisch noch menschlich. „Dass ich ständig mit anderer Musik oder neuen Styles um die Ecke komme, mache ich nicht, um zu provozieren. Das ist einfach meine bunte Seele.“

Und diese Seele spiegelt sich in ihrer Musik wider. Esther Filly verarbeitet in ihrer Musik ihr Leben und gesellschaftliche Themen, die sie und ihre Fans bewegen. „Für mich ist wichtig, dass meine Musik motiviert und authentisch ist“, sagt sie.

Neue Musik: Die Single „Angel Eyes“

2025 schlägt Esther Filly ein neues musikalisches Kapitel auf. Mit ihrer Single „Angel Eyes“, erschienen am 14. März beim Label Wolkenschloss unter der Leitung von Carolin und Andreas Lebbing (bekannt als Gruppe „Wind“), meldet sie sich als Solokünstlerin erneut.

Zuvor hatte sie sich mit dem Song „Child of the Moon“ beim Eurovision Song Contest 2025 beworben. Ein sehr persönliches Lied, in dem sie von ihrer Kindheit, ihrer inneren Stärke und dem Lebenswillen singt, der sie durch schwere Zeiten getragen hat. „Angel Eyes“ knüpft daran an. „Das Lied steht für die vielen Engel – im Himmel und auf Erden – die mich auf meinem Weg begleitet und unterstützt haben“, sagt Esther Filly mit ernster Stimme. Ihre Dankbarkeit ist spürbar.

Singen für den guten Zweck 

Die Soul-Sängerin engagiert sich auch sozial mit Benefizkonzerten deutschlandweit. Gemeinsam mit dem Chor Sound & Joy steht sie am 27. April in der Garnisonkirche in Oldenburg für den guten Zweck auf der Bühne, organisiert durch den Serviceclub Soroptimist in Oldenburg. Die Spenden des Frühlingskonzerts gehen an die VfL-Drachenkids. Auch zum CSD am 21. Juni tritt die Künstlerin in Oldenburg auf. 

Hinter der schillernden Sängerin steckt eine Frau mit Haltung, Geschichte und einem unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Musik. Eine Künstlerin, die sich nicht verbiegen lässt und genau deshalb berührt. Wer Esther Filly zuhört, spürt schnell: Ihre Reise ist längst nicht zu Ende und die nächsten Kapitel versprechen genausoviel Mut, Farbe und Musik.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Mai 2025. (30.04.2025).

Musik für alle, von allen

Das Netzwerk Fête de la Musique wird Mitglied im Deutschen Musikrat

Jedes Jahr am 21. Juni verwandeln sich Straßen, Plätze und Bars in eine große Bühne: Das Fête de la Musique feiert weltweit die Vielfalt der Musik. 1982 in Frankreich ins Leben gerufen, verbreitete sich das Fest rasant und wird heute in über 1000 Städten weltweit, darunter an mehr als 150 Orten in Deutschland, gefeiert. Das Prinzip ist einfach: Musik für alle, von allen – Amateur- und Profimusiker*innen treten kostenlos auf, spontane Konzerte und gemeinsames Musizieren stehen im Mittelpunkt.

Bereits 1985 brachte München als erste deutsche Stadt die Idee der Fête de la Musique nach Deutschland. Seitdem wuchs nicht nur die Zahl der teilnehmenden Städte, sondern auch ein starkes Netzwerk, das sich für die langfristige Etablierung des Festivals als bedeutendes kulturelles Ereignis engagiert.

Ein starkes Zeichen: Aufnahme in den Deutschen Musikrat

Im März wurde bekannt gegeben, dass das Präsidium des Deutschen Musikrats beschlossen hat, das Netzwerk Fête de la Musique als Mitglied aufzunehmen. Der Deutsche Musikrat ist der größte Dachverband für Musikverbände in Deutschland und setzt sich für die Diversität, Stärkung, Bewahrung und Weiterentwicklung des Musiklebens ein. 

Der Deutsche Musikrat rief am 21. Juni 2019 den bundesweiten Tag der Musik ins Leben. Das Ziel des Aktionstages: Den hohen Stellenwert und die gesellschaftliche Bedeutung der Musik zu verdeutlichen. Die zeitliche Überschneidung des Aktionstags des Musikrates mit dem Fête de la Musique führte bei der Koordination des deutschen Netzwerks erstmals zur Idee einer engeren Zusammenarbeit.

Morena Piro vom Netzwerk Fête de la Musique Deutschland betont: „Die Aufnahme der Fête de la Musique in den Deutschen Musikrat stärkt unsere gemeinsame Vision, die Musiklandschaft in Deutschland noch vielfältiger und inklusiver zu gestalten. Wir freuen uns auf eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat, um gemeinsam die Freude an der Musik für alle erlebbar zu machen.“

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen ist kulturelle Vernetzung entscheidender denn je. Das Fête de la Musique steht für eine offene, demokratische Musikkultur, die Menschen unterschiedlichster Hintergründe verbindet.

Mitmachen leicht gemacht

Die Teilnahme am Fête de la Musique ist niedrigschwellig: Ehrenamtliche, Vereine und Institutionen können sich unkompliziert beim Netzwerk melden und den General Agreements zustimmen. Es bietet auch Beratung für Interessierte an. Die MusikZentrum GmbH in Hannover koordiniert die Netzwerkarbeit sowie die Lizenzvergabe für das bundesweite Musikfest. 

Oldenburg, seid ihr dabei?

In Niedersachsen bringen Musiker*innen ihre Instrumente bereits am 21. Juni in Städten wie Hannover, Braunschweig, Bad Gandersheim, Fürstenberg, Otterndorf, Tostedt, Gehrden und Heckenbeck zum Klingen. Vielleicht reiht sich bald auch Oldenburg in die Liste ein? Wäre es nicht ein schöner Gedanke, wenn es irgendwann sogar einen internationalen Feiertag der Musik gäbe? 

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. April 2025. (02.04.2025).

IT’S NOT THE MEDIUM, IT’S THE SLAM #7 – YouTube-Slam

YouTube schauen – das macht man meistens allein. Kopfhörer auf, der Algorithmus übernimmt, und schon taucht man stundenlang in eine Welt aus lustigen Clips, faszinierenden Dokus oder total absurden Videos ein. Doch wie oft erleben wir diese „internen“ Momente der Unterhaltung noch wirklich gemeinsam? Früher schaute man noch gemeinschaftlich das Abendprogramm im Fernsehen oder tauschte sich am nächsten Tag über die gezeigten Blockbuster und Beiträge aus. Heute lebt jeder von uns in einer für ihn maßgeschneiderten Blase mit Inhalten, die perfekt auf uns zugeschnitten sind. Doch der Austausch darüber im Alltag hält sich in Grenzen. Stattdessen liegen wir oft stundenlang im Bett, scrollen auf unseren Endgeräten und lassen uns in die digitale Welt entführen, bis uns die Augen zufallen.

Der YouTube-Slam bietet eine Gelegenheit, das zu ändern. Hier wird das, was viele von uns isoliert vor dem Bildschirm tun, zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis.

Ein Format, dass sich gegen die digitale Vereinsamung unserer Generation stellt, ist der nächste Slam in der Sparte 7 in Kooperation mit dem unikum. 

Denn das Internet hat viele Stars hervorgebracht – aber welches YouTube-Video ist das unterhaltsamste, verrückteste oder beeindruckendste? Beim YouTube-Slam im Spielraum treten die kreativsten Clips gegeneinander an, ausgewählt von unseren mutigen Slammer:innen. Comedy, Drama, Absurdität oder pure Genialität – alles ist erlaubt. 

Und das Beste: Ihr seid die Jury. Stimmt live darüber ab, welches Video den Abend dominiert und als unangefochtener Champion aus dem digitalen Battle hervorgeht.

Kommt vorbei, bringt eure Freund:innen mit und erlebt einen Abend voller Überraschungen, Memes und unvergesslicher Internet-Magie. Klick & Slam!

Freitag, 4.4. | 19:00 Uhr | Spielraum

Warum wir politisch sein müssen

In den USA erleben wir derzeit eine Welle der Kulturbeschneidung, die tief in politische Machtkämpfe verstrickt ist. Unter Donald Trump und der erstarkenden konservativen Bewegung werden Bücher aus Schulen verbannt, Lehrpläne umgeschrieben und kritische Künste zunehmend unter Druck gesetzt. Besonders betroffen sind Werke, die sich mit Rassismus, LGBTQ+-Rechten oder sozialer Ungleichheit auseinandersetzen.

Jüngst sorgte das Kennedy Center in Washington für Schlagzeilen – eine der wenigen staatlichen Kultureinrichtungen in den USA –, weil sich Trump dort als Vorstandsvorsitzender einsetzen ließ, um direkten Einfluss auf die Programmgestaltung zu nehmen. Solche Entwicklungen erschüttern Kulturschaffende weltweit: demokratische Länder, die nicht nur einen, sondern viele Schritte zurückgehen und staatliche Unterdrückung, die sich zunehmend auf Kunst- und Meinungsfreiheit auswirkt.

Doch so leicht es ist, Missstände in der Ferne anzuprangern – auch in Deutschland stehen wir vor alarmierenden Herausforderungen. Nach den massiven Kürzungen der finanziellen Unterstützung, insbesondere für Berliner Kultureinrichtungen, und dem Erstarken der AfD wird erneut über die Neutralitätspflicht staatlich geförderter Theater diskutiert. Doch kann und sollte Kultur neutral sein? Was bedeutet das für uns als Kulturschaffende?

Wer glaubt, die Zeit für stumme Zurückhaltung sei noch nicht vorbei, sollte dringend die Augen öffnen. Theater hat die Möglichkeit und die Verantwortung, die Bedeutung demokratischer Prozesse darzustellen und gesellschaftliche Diskurse aktiv mitzugestalten.

Die Stückentwicklung »Piratenrepublik« von Łukasz Ławicki und Reinar Ortmann setzt sich mit den Herausforderungen und Potenzialen basisdemokratischer Prozesse auseinander und fragt sich: Würden wir es wirklich besser machen, wenn wir direkt über alle politischen Entscheidungen abstimmen könnten? Dabei wird das Publikum Teil des Geschehens und der Freien Piratenrepublik Oldenburg. 

Regisseur und Autor Łukasz Ławicki betont die Relevanz des Stücks: »In einer Zeit, in der demokratische Prinzipien weltweit unter Druck stehen, eröffnet es neue Perspektiven auf gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung, beleuchtet aber auch die Herausforderungen und Risiken, die damit verbunden sind. Es erinnert daran, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine Errungenschaft, die es zu bewahren gilt.« 

Demokratie ist kein Selbstläufer. Kunst kann und muss Haltung zeigen. Daher lasst uns gemeinsam für eine diverse, offene und demokratische Zukunft einstehen.

PIRATENREPUBLIK

Stückentwicklung von Łukasz Ławicki und Reinar Ortmann
Frei nach David Graebers »Piraten – Die Suche nach der wahren Freiheit«

PREMIERE: Donnerstag, 17.4. | 20:00 Uhr | Exhalle

Vorstellungen: 23.4., 25.4., 22.5., 26.5., 28.5., 29.5., 2.6., 4.6., 6.6.

Regie, Bühne und Kostüme: Łukasz Ławicki | Musikalische Leitung: Jan Henrik Demcker | Programmierung: David Massonet | Dramaturgie: Reinar Ortmann

Mit: Esther Berkel, Anna Seeberger, Darios Vaysi

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. April 2024/25. (05.04.2025).

Buen Vivir 

Ein Lebenskonzept jenseits des Wachstumsdogmas

Höher, schneller, weiter und vor allem: Mehr, mehr, mehr! Mehr produzieren, konsumieren und mehr Wirtschaftswachstum. Dabei müssten wir längst verstanden haben, dass Konsum und Produktion nicht einfach so weitergehen können, wenn wir die endlichen Ressourcen des Planeten nicht weiter strapazieren wollen. Die unerreichten Klimaziele sprechen für sich. 

Auch vor Oldenburg macht der Klimawandel nicht halt und bereits 2019 titelte die NWZ: »US-Forscher errechnen für Oldenburg Überflutungen im Jahr 2050.« Dies würde allerdings, dank der Sperrwerke und Deiche, nicht eintreten. Deiche, die zum Küstenschutz an der deutschen Nordseeküste bereits seit dem Mittelalter errichtet werden, um die Bevölkerung vor Sturmfluten zu schützen. So kann man in Dangast auf dem Deich die Flutsteine sehen, die die Pegelstände des Wassers markieren, das in den letzten Jahrhunderten den Deich erreicht hat. Sie erinnern an Stürme von 1717, 1825, 1855, 1906, 1962 und 2006. Der Stein von 1962 trägt eine Höhenmarke von 5,22 Meter. Es ist nicht zu bestreiten: Der Meeresspiegel steigt. Und selbst wenn sich das Wind- und Wellen-Klima nicht signifikant ändern sollte, werden die Sturmfluten durch den erhöhten Meeresspiegel mit größerer Intensität auf die Küsten treffen. 

Das Regieteam um Milena Paulovics widmet sich in der Inszenierung »Schimmelreiter« am Oldenburgischen Staatstheater eben dieser Thematik. In der 1888 veröffentlichten Novelle Theodor Storms ist das Wasser längst da – so wie bei uns auch. In der Inszenierung geht es um den Mikrokosmos eines norddeutschen Dorfes, seine Gruppendynamiken, Beziehungsgeflechte und eine Liebesgeschichte. Gleichermaßen aber auch um die menschliche Hybris, die Natur beherrschen zu wollen, und eine Klimakrise, die längst da ist. 

Wie es anders laufen kann? Auf die Frage, was man dem unendlichen Wachstum entgegensetzen kann, würde ich mit dem Konzept des Buen Vivir oder auch Sumak Kawsay antworten: Während in vielen westlichen Gesellschaften wirtschaftliches Wachstum und individueller Erfolg als Maßstab für ein gelungenes Leben gelten, stellt das Konzept des Buen Vivir eine radikale Alternative dar. Ursprünglich aus den indigenen Kulturen Südamerikas stammend, beschreibt es ein harmonisches Zusammenleben zwischen Menschen, Gemeinschaft und Natur. Dabei geht es nicht um ein rein materielles Wohlstandsideal, sondern um ein gutes Leben im umfassenden Sinne – geprägt von sozialer Gerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und einem respektvollen Umgang mit der Umwelt. Einen großen Schritt machte das Land Ecuador als es im Jahr 2008 Grundelemente des Buen Vivir in seine Verfassung aufnahm: 

»Wir, das souveräne Volk Ecuadors in Anerkennung unserer jahrtausendealten, von Männern und Frauen verschiedener Völker gestärkten Wurzeln, feiern wir die Natur, die Mutter Erde, deren Teil wir sind und die für unser Dasein lebenswichtig ist, rufen wir den Namen Gottes an und erkennen unsere unterschiedlichen Formen der Religiosität und Spiritualität an, appellieren an die Weisheit aller Kulturen, die uns als Gesellschaft bereichern, und beschließen, […] mit unserem starken Engagement für die Gegenwart und Zukunft, eine neue Form des Zusammenlebens der Bürger und Bürgerinnen in Vielfalt und Harmonie mit der Natur aufzubauen, um das Gute Leben, das Sumak Kawsay, zu erreichen […].«

Vielleicht ist es genau das, was wir und die Natur gerade brauchen? Ein bisschen mehr Buen Vivir für alle? 

DER SCHIMMELREITER 

Schauspiel nach Theodor Storm 

PREMIERE: Samstag, 1.3. | 19:30 Uhr | Großes Haus 

Einführungssoirée und Probenbesuch: 20.2. | 18:00 Uhr | Hauptfoyer 

Vorstellungen: 8.3., 14.3., 16.3., 21.3. 

Regie: Milena Paulovics | Bühne und Kostüme: Pascale Arndtz | Musik: Michael Rodach | Video: Marc Lontzek | Dramaturgie: Reinar Ortmann 

Mit: Esther Berkel, Gerrit Frers, Julia Friede, Konstantin Gries, Klaas Schramm, Caroline Nagel, Andreas Spaniol, Tobias Schormann, Tamara Theisen, Darios Vaysi

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. März 2024/25. (01.03.2025).

»Oft bewege ich mich durch die Zeit und verpasse dabei, den Raum wahrzunehmen, der mich umgibt.«

Wo de Tied vergeiht – Vom Vergehen der Zeit

EINE PRODUKTION DES STADT:ENSEMBLES 

»Was bedeutet das Vergehen der Zeit?« – Mit dieser Frage setzt sich das Stadt:Ensemble in dieser Spielzeit auseinander. Zeit ist allgegenwärtig: Sie läuft uns davon, sie zieht sich, wir verlieren sie und hasten ihr hinterher. Der französische Schriftsteller Marcel Proust bemerkte einst:

»Die Zeit, die wir täglich zur Verfügung haben, ist elastisch; unsere eigenen Leidenschaften dehnen sie, die Leidenschaften, die andere für uns empfinden, lassen sie schrumpfen, und die Gewohnheit füllt sie auf.«

In der Produktion »Wo de Tied vergeiht – Vom Vergehen der Zeit« stehen 15 Menschen unterschiedlicher Generationen zwischen 1947 und 2007, die in und um Oldenburg leben, gemeinsam auf der Bühne, um ihre Geschichten zu erzählen. Sie erinnern sich, blicken zurück und in die Zukunft und fragen: Was willst du mit deiner eigenen Zeit anfangen? In der Stückentwicklung verhandelt das Stadt:Ensemble ganz persönliche Lebensfragen, Schicksalsschläge und Sternstunden und macht dabei die alltägliche Parallelität verschiedenster Lebensgeschichten, die sich zeitgleich auf der Welt und in Oldenburg abspielen, sichtbar. 

Mattis Janke, FSJler Kultur in der Theatervermittlung am Oldenburgischen Staatstheater in der Spielzeit 2024/25, begleitet die Produktion als Regieassistent. Er sprach mit den Teilnehmenden über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Vergehen der Zeit – und darüber, welche Fragen sie in der Theaterarbeit besonders beschäftigen.

Annika Müller

© Stephan Walzl

Wann in deinem Leben spürst du das Vergehen der Zeit?

Bernd            Auf einem 13 stündigen Langstreckenflug – da vergeht sie seeeeehr langsam…

Marlene        Die Tage, Wochen, Monate vergehen so schnell. Die Kinder sind erwachsen, die Enkel schon 16 Jahre alt. Jeder Geburtstag kommt so schnell.

Anton            Ich spüre das Vergehen der Zeit, wenn ich an Zeit denken muss: Termine, die eingehalten werden müssen, rücken schnell näher, Abgabedaten für Schularbeiten sind plötzlich näher als gedacht. Aber auch wenn ich durch Fotoalben blättere und mich an Vergangenes erinnere. 

Norbert         Wenn es mir schlecht geht, wenn ich krank bin. Ich brauche heute viel länger, um wieder auf die Beine zu kommen, um wieder fit zu werden. Und ich bin ungeduldiger geworden. Manche Dinge dauern mir heute zu lange.

Haben die letzten Monate und die Proben dein Verhältnis zu Zeit geändert? Wenn ja, wie?

Marlene        Durch die intensive Beschäftigung mit der Zeit ist mir mein Alter, sowie die mir noch verbleibende Zeit bewusst geworden. Ich bin jetzt 64 Jahre. Wie viel Zeit verbleibt mir noch? Wie will ich diese Zeit für mich nutzen? Was tut mir gut? Ich habe wieder eine realistische Wahrnehmung der Zeit; nichts ist ewig. Nutze deine Zeit. Sie vergeht so schnell.

Norbert         Nein.

Anton            Durch die Proben in den letzten Monaten, vergeht die Zeit plötzlich schneller, weil ich mehr zu tun habe. Zudem mache ich mir neue und mehr Gedanken über Vergänglichkeit von Lebensabschnitten, Beziehungen zu Menschen und zum Leben allgemein.

Gila                    Sie haben vielleicht nicht mein Verhältnis zur Zeit geändert, aber sie haben mir Zeit sehr viel stärker bewusst gemacht. Was ist Zeit eigentlich und wie nehme ich Zeit wahr? Wie lange dauert eine Minute, und existiert Zeit überhaupt? Ist ein Moment kürzer als eine Sekunde? Und was ist eigentlich die Raum-Zeit-Theorie? Interessant war auch zu reflektieren, welche herausragenden politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in meinem bisherigen Leben stattgefunden haben, und welche Dinge die jüngeren Teilnehmer: innen unserer Gruppe nur vom Hörensagen – oder überhaupt nicht – kennen.

Bewegst du dich eher durch die Zeit oder durch den Raum?

Bernd                 Eher auf einer Geraden bzw. Linie mit Kurven.

Anton            Oft bewege ich mich durch die Zeit und verpasse dabei, den Raum wahrzunehmen, der mich umgibt.

Gila                    Ich denke, ohne Raum kann ich Zeit nicht wahrnehmen. Nur durch die Bewegung im Raum, merke ich, dass Zeit vergeht. Selbst wenn ich nur irgendwo sitze, spüre, sehe, höre ich ja Dinge. Wobei es da immer noch das Phänomen der inneren Uhr gibt.

Norbert         Ich lebe im Jetzt und im Hier. Wichtig ist der Moment. Das Vergangene hat mich geprägt, hat mich zu dem werden lassen, was ich heute bin. Spielt aber jetzt nur eine untergeordnete Rolle. Auf das Kommende bin ich gespannt und neugierig. Ich lasse es auf mich zukommen und versuche, daraus das Beste für mich zu machen.

Gab es eine Zeit in deinem Leben, in der Zeit keine Rolle gespielt hat?

Bernd                 Ja – immer, wenn ich eins mit mir war – in einem entspannten Zustand.

Marlene        Kindheit und Urlaub.

Anton            Zeit spielt oft keine Rolle, wenn man wenig Verantwortung trägt. Als Kind.

Wofür findest du nie genug Zeit?

Bernd                 Zum Aufräumen.

Marlene        Ich kann mir grundsätzlich für alles Zeit nehmen, da ich Rentnerin bin.  

Norbert         Für meine persönlichen Interessen. Ich war in der Vergangenheit im privaten als auch im beruflichen Umfeld fast immer nur für andere da. Aus eigenem Entschluss, aus Pflichtgefühl oder weil es eben Familie war. Jetzt habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit davonrennt. Ich bin immer noch neugierig und möchte Dinge ausprobieren, die ich bisher noch nicht gemacht habe. Aber das Alter setzt mir so langsam physische als auch psychische Grenzen.

Anton            Für Zeit für mich alleine ohne dringende Aufgabe, finde ich oft zu wenig Zeit. Auch kann man nicht genug Zeit mit Freunden und Familie verbringen.

Was ist dein Ausgleich um die Endprobenzeit zu überstehen?

Bernd                 Radfahren, Stadtführungen, Gesellschaftsspiele.

Marlene   Sport, Ruhepausen, Natur genießen.

Norbert         Ich brauche keinen Ausgleich. Ich mache mit, weil ich es will, weil es mich reizt, weil es mich weiterbringt. Ja, es wird belastend werden. Aber das habe ich mir ausgesucht und akzeptiere es.

Gila                Das ist einfach: da ich nicht mehr arbeiten muss, kann ich die Intensität der Endprobenzeit so richtig genießen.

„Ich bin von der Zeit gezeichnet.“ Stimmst du zu? Warum?

Bernd                 Na ja – klar. Ich habe mehr Falten im Gesicht, habe einen Bauch und spiele kein Basketball mehr…

Norbert         Ja, natürlich. Jeder von uns hat eine mehr oder weniger prägende Vergangenheit. Im Guten wie im Schlechten. „Gezeichnet sein“ heißt nicht automatisch etwas Schlechtes. Ich kann auch „ausgezeichnet“ worden sein, die Zeit kann mir auch viel Gutes gebracht haben.

Gila                Da sind natürlich ganz klar erstmal die äußeren Zeichen: Haut, Haar, Beweglichkeit. Aber auch im übertragenen Sinn bin ich natürlich gezeichnet, von der Zeit in der ich, als Frau, leben darf. Die Freiheiten und die Möglichkeiten, die ich heutzutage als Frau habe, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sind mir sehr bewusst.

Anton            Meine Persönlichkeit und Einstellung zu Situationen basiert zu großem Teil auf meinen Erlebnissen. Identifikation und Orientierung sind Folge von Höhen und Tiefen, Fehlern und Glück.

Marlene        Im Laufe der Zeit habe ich viel Lebenserfahrung gesammelt. Ich bin ausgeglichener und weniger stressanfällig. Negativ hat mich die Zeit natürlich durch körperlichen Verschleiß gezeichnet.

Die Fragen stellte Mattis Janke

WO DE TIED VERGEIHT – VOM VERGEHEN DER ZEIT

Premiere: Samstag 30.3. | 18:30 Uhr | Kleines Haus

Weitere Vorstellungen: 6.4., 13.4., 29.4., 3.5., 25.5., 7.6., 15.6., 22.6.

Regie Hanna Puka
Bühne und Kostüme Anai Dittrich
Musik Jens Marnowsky
Licht Arne Waldl
Dramaturgie Annika Müller
Regieassistenz Mattis Janke

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. März 2024/25. (01.03.2025).

What Maisie Knew – A short review

»›Poor little monkey!‹ she at last exclaimed; and the words were an epitaph for the tomb of Maisies childhood.«

One can say that Mr. James in all of his books remains true to his own style of writing as well as to his recurring motives. One either loves or hates it. In merciless literary harshness, Henry James describes in What Maisie knew how a divorce battle is fought over the head of little Maisie. His novel is filled with intrigues and affairs, leaving much unspoken for the reader to think about. It is a truly wonderful intellectual piece of work that makes you reflect and question the reality of a child faced with vanity, greed, weaknesses and longings from the adult world, a world that an adult’s responsibility would be rather to protect a child from. It combines critical thoughts with skilfull side blows directed at the monogamous lifestyle and the ideals of the time responsible for creating a corrupted family environment to a blameless child.

Being uplifting yet unsettling at the same time, reading the book feels hard, comparable to a fight. As the novel is rather slow paced without a lot of tension, it makes it even harder, almost painful to read. It feels wrong to read how Maisie gets abused by her own parents for their selfish purposes. During her young years she is pushed back and forth between parents, stepparents, lovers and governesses. The reader witnesses a story full of hatred, disarray and ultimately the demise of a happy childhood. Furthermore, James leaves the reader to himself with the question what and to which extend Maisie actually understands is happening to her and in her surroundings. He does gives us insights into her intellectual world, and we feel how astonishingly she reflects on the behaviour of others. But we also clearly notice when differences arise between her inner perception and outer occurrences. The story of Maisie is characterised by this inner and outer turmoil. Although ending in her own liberation from the family ties, it unfortunately does not univocally necessitate a better future for her. In the end the reader »still had room for wonder at what Maisie knew«.

In conclusion, What Maisie Knew, like all of Henry James’s novels, is not an easy read. It requires patience and resilience, but for those who endure, every page proves its worth.

Warum das Theater andere Formate finden muss

Welche Orte erschienen euch immer als unzugänglich? Für mich waren es noble Designergeschäfte. Sie schüchtern mich ein, mit ihrem Securitypersonal, geschulten Verkaufspersonal, blitzsauberen Schaufenstern, großen Namen und vor allem Preisen. Nicht dass ich sagen könnte, dass ich jemals in einem Louis Vuitton- oder Gucci-Laden drin gewesen wäre. Nein, ich bin eigentlich nur vorbeigelaufen. Ich habe mich nicht mal getraut diese Geschäfte länger zu betrachten, dennoch waren sie immer da und sie haben mir schon immer irgendwie Angst gemacht. Ein weißer Fleck auf meiner Landkarte, den ich mir einfach nicht erschließen kann. 

Vielleicht ist es mir deshalb wichtig, dass das Theater genau das nicht ist. Es war als Ort für mich immer einladend und freundlich, ein alter Freund. Von klein auf war ich mit meinen Eltern im Theater. Mal am Wochenende, im Urlaub oder zu besonderen Anlässen. Schick angezogen und mit Vorfreude darauf, was passiert, wenn sich der Vorhang öffnet. Und doch, wenn ich am Theaterwall stehe und auf das strahlend weiße Oldenburgische Staatstheater blicke mit seinen Säulen und neoklassischer Optik – verstehe ich, warum für manche das Theater ein unheimlicher Ort ist. Die neobarocke Pracht im Zuschauerraum mit Deckengemälde, die einen riesigen Kronleuchter umrahmen, das geschulte Einlasspersonal, die Stücktitel und Kosten: Das Theater ist ein zugänglicher Raum, aber kein offener. 

Bingo, Death Café, Gesprächsformate, Kavaliersdelikte, Karaoke, Poetry Slams, Open Stage – in der Sparte 7 am Oldenburgischen Staatstheater finden andere Formate statt, die sich der Demokratisierung des Theaters verschrieben haben. Im DigitEX findet sogar im Februar zum ersten Mal ein eSports-Event statt. Ist das noch Theater? 

Ja! Denn natürlich dürfen auch bei diesem Abend im DigitEX keine performativen Elemente fehlen. Publikumsbeteiligung, verschiedene Figuren, Live-Moderation und vieles mehr wird es geben. Dennoch gilt: Das Theater muss sich in seiner Struktur verändern. Das heißt nicht, dass keine Opern oder Theaterstücke mehr gespielt werden sollen, keine Frage. Wir sollten uns nur die Frage stellen, wie wir als Theater offener sein können. Zugängliche Formate, die alle ansprechen und damit die Tür für diejenigen zu öffnen, die sonst verunsichert nur schnell vorbeilaufen. Denn Theater sollte ein Ort für alle sein und kein weißer Fleck auf der Landkarte. 

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Februar 2024/25. (01.02.2025).

Över dat Plattdüütsch snacken 

Zum Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar

Denn wüllt wi mal nich lang drum rüm snacken… Ist man nur mal in Oldenburg und umzu unterwegs gewesen, kommt man nicht umhin ihr zu begegnen: Der plattdeutschen Sprache. Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, ist eine westgermanische Sprache, die vor allem in Norddeutschland, den Niederlanden und Teilen Dänemarks gesprochen wird. Ihre Wurzeln reichen bis ins Altsächsische zurück, und sie blieb – anders als Hochdeutsch – von der Zweiten Lautverschiebung unberührt. Deshalb klingen Wörter wie ›Water‹ (Wasser) oder ›Huus‹ (Haus) vertraut, aber dennoch irgendwie anders.

Im Mittelalter war Plattdeutsch die Lingua franca der Hanse und in großen Teilen Nordeuropas verbreitet. Heute wird es vor allem in ländlichen Regionen Norddeutschlands gesprochen und ist vielerorts ein wichtiger Teil der kulturellen Identität. Worüm snackt wi dar över?

Am 21. Februar 2025 ist der Internationale Tag der Muttersprache. Die Idee, den Internationalen Tag der Muttersprache zu feiern, stammt aus Bangladesch. Sie wurde auf der UNESCO-Generalkonferenz 1999 beschlossen und wird seit dem Jahr 2000 weltweit begangen, da die sprachliche Vielfalt auf der gesamten Welt zunehmend bedroht ist. Immer mehr Sprachen verschwinden und damit auch die Möglichkeit traditionelles Wissen und Kulturen auf nachhaltige Weise zu vermitteln und zu bewahren.

Trotz sinkender Sprecherzahlen gibt es Bemühungen, die niederdeutsche Sprache lebendig zu halten, etwa durch Plattdeutschunterricht an Schulen, Theaterclubs und Radiosendungen. Am Oldenburgischen Staatstheater ist seit 2006 die Niederdeutsche Bühne als plattdeutsche Sparte angesiedelt. Am 19.1.2025 feierte die Produktion »Hector sein Reis or de Söök na’t Glück – Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück« unter der Regie von Nils Braun Premiere im Kleinen Haus des Staatstheaters Premiere. Dabei bringt Hector bei seiner Suche nach dem Glück die niederdeutsche Sprache einmal um die Welt nach China, Afrika und Amerika. 

Auch in den Spielclubs des Staatstheaters wird die niederdeutsche Sprache nicht vergessen. So ist auch die Produktion »Vom Vergehen der Zeit – Wo de Tied vergeiht« des Stadt:Ensembles unter der Regie von Nora Hecker und Hanna Puka zweisprachig und erzählt die Lebensgeschichten der Teilnehmenden auf Hoch- und Plattdeutsch. 

So bleibt Plattdeutsch ein wertvoller Schatz norddeutscher Kulturgeschichte. Da bleibt nichts übrig als zu sagen: Wi hebbt di leef, leevst Plattdüütsch!

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Februar 2024/25. (01.02.2025).