GEHÖRGÄNGE 2026 – Jazz, Improvisation und Neue Musik in Oldenburg

Das Jahr 2026 hat gerade erst begonnen und schon jetzt darf sich Oldenburg auf hochkarätige musikalische Ankündigungen aus der Jazzszene freuen: Die Jazzmusiker Initiative Oldenburg setzt ihre Konzertreihe GEHÖRGÄNGE fort und lädt erneut zu zeitgenössischen Klangerkundungen ins Wilhelm13 ein. Dort präsentieren Musiker:innen ein vielfältiges Programm aus Jazz, Improvisierter Musik und Neuer Musik. Die Reihe besteht bereits seit 2012 und hat sich seither als fester Bestandteil des Oldenburger Musiklebens etabliert. Dabei sind die Konzerte bei der LANGEN NACHT DER MUSIK in Oldenburg und Bremen mit Beiträgen seit mehreren Jahren präsent. Wie bereits in den Vorjahren legt Hannes Clauss, Kurator der Reihe, in Zusammenarbeit mit dem HCL-Ensemble, großen Wert auf eine ausgewogene Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern. Clauss betont: „Das Besondere an dieser Reihe ist, dass wir dem Oldenburger Publikum die Möglichkeit bieten, Musik in den unterschiedlichsten Zusammenhängen zu hören.“

Genreübergreifend werden dabei auch Tänzer:innen, Schauspieler:innen und bildende Künstler:innen mit der Musik in Berührung gebracht. Im Mittelpunkt steht die Kunst der Improvisation: Nichts ist vorher abgesprochen, was ein hohes Maß an Können und Flexibilität von den Musikern und Musikerinnen erfordert. Clauss ergänzt: „Es gibt bei uns keine Tabus – vom Geräusch bis zur Melodie ist alles möglich, und das macht die Konzerte oft besonders spannend.“

Das erste Konzert der GEHÖRGÄNGE 2026 findet am 23. Januar statt. Den Auftakt des Programms 2026 gestaltet der Berliner Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Titus Selge mit einer besonderen Performance zum 100. Todestag Rainer Maria Rilkes. Im Zentrum stehen Rilkes Sonette an Orpheus, die vom HCL-Ensemble musikalisch begleitet und kommentiert werden. Wort und Musik treten dabei in einen dialogischen Austausch und eröffnen einen modernen Zugang zu Rilkes Werk.

Titus Selge, Neffe des Schauspielers Martin Selge, ist vor allem als Regisseur und Drehbuchautor für das Fernsehen tätig. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem Episoden der Reihen Polizeiruf 110 und Tatort. 

Am 17. April ist der Saxofonist, Bandleader und Komponist Jan Klare bei den GEHÖRGÄNGEN zu Gast. Klare versteht seine künstlerische Praxis als „soziologische Feldforschung über Hörgewohnheiten, Hörerwartungen und deren Manipulation“. Das Konzert ist zweiteilig angelegt: In der ersten Hälfte präsentiert sich Jan Klare solo, bevor er in der zweiten Hälfte den freien improvisatorischen Dialog mit dem HCL-Ensemble sucht.

Am 4. September wird das Programm durch ein Konzert von Paul Hübner mit der Trompete fortgesetzt, der als Interpret, Komponist, Performer und Improvisationsmusiker tätig ist. Ein zentraler Fokus seiner Arbeit ist die intensive Zusammenarbeit mit Komponist:innen und Bühnenkünstler:innen zur Realisation neuer Werke für die Erforschung neuer Klänge – akustischer, inhaltlicher und sozialer Art – in eigenen Kompositionen und Improvisationen. 

Dem HCL-Ensemble ist der kontinuierliche Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Neuen Musik ein besonderes Anliegen, da in dieser Zusammenarbeit sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten verschiedener musikalischer Konzepte sichtbar und hörbar werden. Im Zusammenspiel mit dem HCL-Ensemble sowie in einem Solobeitrag eröffnet sich dem Publikum die Möglichkeit, die Schnittstellen und Kontraste zwischen Improvisierter Musik und Neuer Musik unmittelbar zu erleben.

Den Abschluss der GEHÖRGÄNGE bildet am 20. November ein Abend mit der Oldenburger Künstlerin Patricia Borges De Medeiros. In einem Live-Setting projiziert sie mithilfe eines Overheadprojektors verschiedene Materialien, Farben und Zeichnungen und tritt dabei in einen unmittelbaren Dialog mit der Musik des HCL-Ensembles. Visuelle Elemente der Bildenden Kunst und das Akustische der Musik verschränken sich zu einem eigenständigen Hör- und Seherlebnis. 

Mit ihrem vielfältigen Programm setzen die GEHÖRGÄNGE 2026 die langjährige Tradition der Reihe fort und bieten dem Oldenburger Publikum erneut spannende Perspektiven auf zeitgenössische Musik an der Schnittstelle von Jazz, Improvisation und Neuer Musik. Gleichzeitig lädt die Reihe dazu ein, etwas zunehmend Wichtiges zu üben: Unvoreingenommenheit beim Hören.

Tickets für die Reihe kann man auf der Website vom Wilhelm13 oder an der Abendkasse erwerben. 

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Januar 2026. (08.01.2026).

Der ewige Neustart

Es gibt Orte, an denen der Jahresanfang groß beginnt. Im Fitnessstudio hört man die Vorsätze, die Entschlossenheit und den geschäftigen Aufbruch. Im Theater aber beginnt das neue Jahr eher leise. Schließlich lebt das Theater in Spielzeiten, nicht in Jahresanfängen. Der Januar kommt nach einem Silvesterfinale wie jeder andere Monat auch. 

Vielleicht ist das Theater sogar besser geübt im Neuanfang als manch andere Orte, denn jede Vorstellung ist ein Neubeginn. Selbst wenn eine Inszenierung bereits vielfach gespielt wurde, ist jeder Abend einzigartig. Neues Publikum, neue Fehler, neuer Schwung. Jede Szene wird noch einmal gespielt, und manchmal gelingt eine Passage gerade deshalb, weil man die richtige Energie zu Beginn der Vorstellung hat.

Während die letzten Vorstellungen des Weihnachtsmärchens »Die Schöne und das Biest« und »Der Schimmelreiter« stattfinden, erwarten uns im Januar auf den Bühnen bereits Premieren und hinter den Kulissen neue Probenstarts. Von der BallettCompagnie des Oldenburgischen Staatstheaters erwarten uns drei choreografische Uraufführungen unter dem Titel »Demo-Mode« ab dem 9. Januar im Kleinen Haus. In den Choreografien beschäftigen sich die Choreograf:innen mit verschiedenen Facetten der Demokratie. 

Die Möglichkeit, ungehindert zu sprechen, zu wählen und an öffentlichen Debatten teilzunehmen, bleibt ein hohes Gut. Doch diese Freiheit ist fragil. In seiner Choreografie erinnert der französische Gastchoreograf Guillaume Hulot daran, dass Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit nur bestehen, wenn wir sie aktiv nutzen und für sie einstehen.

Zum ersten Mal boten die 16. Internationalen Tanztage 2025 eine Plattform für »Junge Choreograf:innen«. Das Publikum kürte Nicol Omezzolli zur Gewinnerin. Ihr Stück »Vincula Invisibilia Fracta« untersucht, wie wir uns aus subtilen Formen der Manipulation befreien können.

Die australische Choreografin Alice Topp richtet den Blick auf die Rolle von Algorithmen in modernen Demokratien. Soziale Medien mit ihrer enormen Reichweite, personalisierter Werbung und datengetriebenen Empfehlungen können politische Stimmungen lenken. Ihre Arbeit stellt die Frage: Welche Zukunft hat unsere politische Meinungsbildung, wenn Algorithmen Kontrolle über Trends und politische Orientierung haben?

All diese choreografischen Arbeiten zeigen auf unterschiedliche Weise, wie sehr unsere Freiheit, unsere Entscheidungen und sogar unsere Wahrnehmungen im Wandel sind. Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Ein Zusammenspiel aus Mut, Bewusstsein und der Bereitschaft, immer wieder hinzuschauen. 

Genau darin liegt die Parallele zum Theater: Auch hier entsteht jede Erkenntnis erst im Moment des Tuns, im erneuten Beginnen, im Fortschreiben einer Szene, die nie vollständig abgeschlossen ist. Jede neue Bewegung, jeder neue Gedanke kann eine Richtung ändern, etwas öffnen. Das verdeutlicht vor allem eines: Ein Neustart muss nicht perfekt sein, er muss nur stattfinden. 

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Januar 2025/26. (05.01.2026). 

Ein Tag, viele Stimmen

Zum Internationalen Tag der Migranten*Migrantinnen

Migration gehört zu den prägenden Themen unserer Zeit. Millionen von Menschen verlassen jedes Jahr ihre Heimat auf der Suche nach Sicherheit und Perspektive für die Zukunft. Die Gründe zur Entscheidung zur Flucht sind vielfältig und gleichermaßen unaushaltbar: Gewalt, Krieg, Unterdrückung, politische Verfolgung, Naturkatastrophen. Und auch das Ankommen ist ebenso schwer. 

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) ist die Zahl der internationalen Migrantinnen und Migranten seit dem Jahr 2000 um 2,3 Prozent gestiegen und erreichte 2019 rund 272 Millionen Menschen. Darunter befinden sich etwa 70 Millionen Geflüchtete, die gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden, viele von ihnen innerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Der Internationale Tag der Migranten*Migrantinnen, der jedes Jahr am 18. Dezember begangen wird, erinnert an die Bedeutung von Schutz, Würde und Rechten für all jene, die ihre Heimat verlassen mussten. Er wurde vor 20 Jahren von der UN ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit weltweit auf das Schicksal und die Probleme der Menschen zu lenken, die ihr Heimatland angesichts anhaltender Konflikte, Kriege, Menschenrechtsverletzungen und Armut verlassen haben. Der Tag ruft Regierungen, Organisationen und Gesellschaften weltweit dazu auf, Migration als eine gemeinsame Verantwortung zu verstehen. Denn gerade migrierte Menschen sind durch ihren ungewissen Aufenthaltsstatus, ihre Ängste und Not machen oft schutzlos und werden damit – auch in Deutschland – leicht zu Opfern von Diskriminierung, Ausbeutung und Fremdenfeindlichkeit. 

In der Sparte 7 beschäftigen wir uns in diversen Formaten mit den Themen Flucht, Migration und Gedenken. Am 8. Dezember findet in der Exhalle der dritte Abend des Netzwerks Solidarisch in der Migrationsgesellschaft statt, bei dem der Künstler Riadh Ben Ammar mit seinem Solo-Stück „Bei den Linken“ auftritt und im Nachgespräch mit dem Publikum in den direkten Austausch geht. Im Dezember gibt es in der Sparte 7 zudem vermehrt Diskursgewitterabende, die sich thematisch mit Demokratie und rechten Strukturen auseinandersetzen und zu Information und Diskurs einladen. Aktuell probt die Produktion „Zwischen Hin und Her – Meine Flucht aus Syrien“ von und mit Malak Kadour, eine junge Oldenburgerin, die ihre Fluchtgeschichte in ihrem gleichnamigen Buch veröffentlichte und mit zwei Darstellerinnen im nächsten Jahr auf der Bühne des Spielraums erzählt. Die Premiere ist am 4. April 2026. 

Mit den aktuellen Produktionen und Veranstaltungsformaten setzt die Sparte 7 ein klares Zeichen für gesellschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung. Die Projekte greifen die Themen Migration, Flucht und Zugehörigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven auf und schaffen Räume für Dialog und Reflexion. Theater versteht sich nicht nur als Ort der Darstellung, sondern auch des Verstehens und der Begegnung. Es schafft einen Raum, in dem gesellschaftliche Themen lebendig verhandelt werden.

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Dezember 2025/26.(06.12.2025). 

Die Orange Days: Gewalt gegen Frauen geht uns alle an

Im Rahmen der Orange Days wurden in Oldenburg mehrere Gebäude, wie das Staatstheater, orange illuminiert um ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Weltweit bleiben die Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt auch im Jahr 2025 alarmierend. Nach wie vor erlebt rund ein Drittel aller Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Übergriffe. Darunter häusliche Gewalt, Zwangsprostitution, sexuelle Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung oder digitale Gewalt. Besonders häufig geschieht dies im direkten sozialen Umfeld, verübt durch nahstehende Personen wie Partner, Ex-Partner oder Bekannte. Nach Angaben des Bundesministeriums des Inneren wurde 2023 nahezu täglich eine Frau getötet. Fast 70 Prozent dieser Fälle standen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Katharina Sturm betonte im BR-Podcast „Die neue Form“ zudem: „Nahezu alle Frauen mit Behinderung erleben psychische Gewalt, also Mobbing, Beleidigungen, Drohungen und solche Geschichten. Das ist deutlich höher als […] bei nicht behinderten Frauen.“ 

Zentral ist dabei stets ein strukturelles Machtgefälle zwischen den Geschlechtern, das Kontrolle, Erniedrigung und Ausbeutung begünstigt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die GdP-Bundesfrauengruppe betonen die drastische Entwicklung der häuslichen Gewalt gegen Frauen und fordern dahingehend eine Null-Toleranz-Strategie.

Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein privates Problem. Hinter Begriffen wie „Beziehungstat“, „Einzelfall“ oder „erweiterter Suizid“ verbirgt sich häufig eine Verharmlosung struktureller Ursachen: gesellschaftliche Normen und Rollenbilder, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen begünstigen. Dass diese Gewalt im schlimmsten Fall in Femiziden endet, macht deutlich, wie dringend Politik, Institutionen und Gesellschaft entschlossen handeln müssen. Seit 1999 ist der 25. November auf Beschluss der Vereinten Nationen ein internationaler Gedenk- und Aktionstag. Im Rahmen der Kampagne der Vereinten Nationen (UN) „Orange the World“ hat sich dafür auch der Begriff „Orange Days“ etabliert. Dabei geht es vor allem darum, dass der Kampf gegen Gewalt an Frauen und die Solidarisierung mit Betroffenen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden muss und einer breiten Aufmerksamkeit bedarf. Der „Gender Snapshot“ 2025 der UN und UN Women analysiert Fortschritte und Rückschritte bei der Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) aus Geschlechterperspektive. Der neueste „Gender Snapshot“ belegt: Es wurden Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter erzielt, diese sind aber bei weitem zu langsam und werden durch antifeministische Bewegungen bedroht. Laut Schätzungen der UN braucht es beim aktuellen Tempo fast 100 Jahre bis zur Gleichstellung der Geschlechter auf der Führungsebene. 

Zahlreiche Institutionen in Oldenburg beteiligen sich aktiv an den Orange Days. So bietet die Landesbibliothek am Pferdemarkt anlässlich der Orange Days vom 25. November bis 10. Dezember einen Informations- und Lesebereich mit Fach- und Sachliteratur, sowie Romanen zum Thema Gewalt gegen Frauen an. 

Diverse Bäckereien im Oldenburger Stadtgebiet verpacken Backwaren in Tüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen, und erreichen damit viele Bürgerinnen und Bürger. Insgesamt 24.000 Brötchentüten werden vom Präventionsrat in Kooperation mit dem ZONTA Club Oldenburg und dem Gleichstellungsbüro zur Verfügung gestellt.

Der AStA der Universität Oldenburg präsentiert in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Stadt eine kostenlose Ausstellung vom „Bündnis gegen Sexismus“. Von Montag, 24. November, bis Montag, 1. Dezember, kann man die Plakatausstellung im Mensa-Foyer (AStA-Trakt), Uhlhornsweg 49-55, über Themen wie Sexismus in der Arbeitswelt sowie in Kultur und Medien besuchen. 

Aber auch als Privatperson kann man Aktionismus zeigen und leben. Flugblätter drucken, Wände plakatieren, ungemütlich werden, ins Gespräch gehen, Diskussionen führen und dadurch Aufmerksamkeit für Gleichstellungsthemen schaffen. Denn nur durch Handlung und Solidarität können wir etwas bewirken. 

Welche Hilfsangebote und Beratungsstellen gibt es in Oldenburg für Betroffene?

BISS – Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt und Stalking: Telefon 0441 235-3798

Olena – Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Frauen: olena.beratung@web.de, Telefon 0441 235-2490

Wildwasser – Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen: www.wildwasser-oldenburg.de, Telefon 0441 16656

Autonomes Frauenhaus: www.frauenhaus-oldenburg.de, Telefon 0441 47981

Hanna-Haus: Telefon 0441 36132-899, Johanniter Frauen- und Kinderschutzhaus Oldenburg (JFKO)

Trans-Beratung OL: weser-ems@trans-recht.de, Telefon 0160-5889070

Netzwerk ProBeweis: www.probeweis.de

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Telefon 116016 

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. Dezember 2025. (04.12.2025).

Die Schöne und das Biest

Ein Märchen wie kein anderes

Von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell – Deutsch von Katharina Schmitt

»Es war einmal …« – so beginnen alle Märchen. Doch wer glaubt, die Geschichte von Belle und dem Biest schon zu kennen, wird in der außergewöhnlichen Theaterfassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell zum Märchenklassiker „Die Schöne und das Biest“ eines Besseren belehrt.

„Die Schöne und das Biest“ gehört zu den bekanntesten und ältesten Liebesgeschichten der europäischen Erzähltradition. Seine Wurzeln reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück: 1740 veröffentlichte die französische Schriftstellerin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve erstmals die Geschichte von der klugen jungen Frau und dem verfluchten Ungeheuer. Ein 362 Seiten umfassender Roman, welcher nicht für Kinder gedacht war, sondern zur Unterhaltung des Hofes und der Pariser Salons. 

Rund sechzehn Jahre später griff Jeanne-Marie Leprince de Beaumont die Geschichte auf und kürzte sie zu der Fassung, die wir heute kennen: eine klare, moralische Erzählung über die Macht der Liebe, die wahre Schönheit im Inneren sucht. Diese Version verbreitete sich rasch in ganz Europa und wurde zu einem festen Bestandteil der Volksmärchen-Tradition.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Märchen unzählige Neuerzählungen, Bearbeitungen und Adaptionen von Theater und Ballett über Romane bis hin zu Filmen und Comics. Besonders Jean Cocteaus Animationsfilm von 1946 und die Disney-Verfilmung von 1991 prägten das Bild der Geschichte in der modernen Kultur.

Doch jenseits aller Versionen bleibt der Kern der Geschichte gleich: Es ist die Erzählung von einem Menschen, der lernt, hinter das Äußere zu sehen und von der Liebe, die verwandelt. Doch was erwartet die Zuschauenden im Oldenburgischen Staatstheater? Einiges ist altbekannt in unserer Bühnenerzählung: In einem fernen Land namens Frankreich, vor vielen Jahren, verirrt sich ein Vater in ein verlassenes Schloss. Aus Liebe zu seiner Tochter pflückt er eine Rose und gerät damit in die Fänge eines furchteinflößenden Biests. Um das Leben ihres Vaters zu retten, begibt sich Belle in das Schloss, wo sie fortan mit dem rätselhaften Herrn des Hauses lebt. Doch statt finsterer Schrecken warten dort unerwartete Wunder, Wünsche, die in Erfüllung gehen und ein Biest, das vielleicht weniger schrecklich ist, als es scheint. Warum fragt das Biest sie Abend für Abend, ob sie es liebe? Und was, wenn hinter der Fassade aus Fell und Furcht mehr steckt, als man ahnt? 

In der Fassung von Mitchell und Kirkwood erwarten uns auch Überraschungen: Begleitet wird die märchenhafte Erzählung von den beiden Feen Mister Pink und Cécile. Ein charmant-chaotisches Moderationsduo, das mit Witz, Scharfsinn und einem „bahnbrechenden Gedankenfänger“ das Publikum verzaubert. Ihre Kommentare sprühen vor Ironie und machen das Märchen zu einer schillernden Show zwischen Zauber, Humor und unerwarteter Tiefe. 

Mit viel Fantasie, Sprachwitz und einem modernen Blick auf das alte Volksmärchen entführt das Team um Regisseurin Krystyn Tuschoff das Publikum in eine Welt, in der Liebe, Mut und das Erkennen innerer Schönheit im Mittelpunkt stehen. Premiere feiert das Stück im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters am 30. November. Ein Stück für alle, die Märchen lieben und jene, die glauben, längst zu wissen, wie sie ausgehen.

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Dezember 2025/26. (06.12.2025). 

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

Von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell | Deutsch von Katharina Schmitt

PREMIERE: Sonntag, 30.11. | 15:00 Uhr | Großes Haus

BESETZUNG

Regie: Krystyn Tuschhoff | Bühne und Kostüme: Anike Sedello | Musik: Jan Wilhelm Beyer | Licht: Arne Waldl | Dramaturgie: Matthias Grön, Annika Müller | Theatervermittlung: Liliane Bauer 

Mit: Florian Heise, Esther Berkel, Sofie Junker, Pippa Fee Ruperti, Franziska Werner, Gerrit Frers, Michel Brandt, Darios Vaysi, Statisterie des Oldenburgischen Staatstheaters

Vorstellungen: 1.12., 2.12., 3.12., 5.12., 6.12., 7.12., 8.12., 9.12., 10.12., 11.12., 12.12., 14.12., 15.12., 16.12., 17.12., 18.12., 21.12., 23.12., 26.12., 29.12., 4.1.

Die Vorstellung am 9.12., 9:30 Uhr, wird von Gebärdendolmetscher:innen begleitet. 

Connecting for Tomorrow: Universitäten Oldenburg und Bremen reichen Exzellenzverbundantrag ein

Unter dem Titel „Northwest Alliance: Connecting for Tomorrow“ haben die Universitäten Oldenburg und Bremen ihren Antrag für einen Exzellenzverbund beim Wissenschaftsrat eingereicht. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Nordwesten als aufstrebende Wissenschaftsregion weiter zu stärken, indem die Voraussetzungen für zukunftsgerichtete Forschung und Lehre unterstützt werden. Zugleich soll die Verbindung zwischen Universität und Gesellschaft vertieft werden. Wird der Antrag bewilligt, erhalten Bremen und Oldenburg ab 2027 eine Förderung von Bund und Ländern für das strategische Zukunftsprojekt. Die Entscheidung fällt im Oktober nächsten Jahres. 

Derzeit sind an beiden Universitäten insgesamt vier Exzellenzcluster angesiedelt. Mit dem neuen Verbundantrag wollen Oldenburg und Bremen nun auch in der Förderlinie „Exzellenzverbund“ überzeugen. Dieser würde auch die internationalen Kontakte ausbauen: Die Partnerschaft mit der Rijksuniversiteit Groningen soll dadurch unterstützt werden. Langfristig sollen auf diese Weise wissenschaftliche Infrastrukturprojekte gefördert werden. 

Prof. Dr. Jutta Günter, Rektorin der Universität Bremen, betont: „Wir möchten mit exzellenter Forschung und in gesellschaftlicher Verantwortung Beiträge zur Lösung der globalen Herausforderungen leisten. In einer Welt im Umbruch setzen wir auf Zusammenhalt und Vernetzung – im Nordwesten und mit unseren Partnern weltweit. ‚Connecting for Tomorrow’ ist uns eine tägliche Aufgabe und Mission zugleich.“ Die Universitäten Bremen und Oldenburg erneuerten ihren Kooperationsvertrag und gründeten Anfang des Jahres die Northwest Alliance (NWA) mit der sie sich zum Ziel setzen Forschung und gesellschaftliche Verantwortung zu verknüpfen, um innovative Lösungen für regionale und globale Herausforderungen zu finden. 

Rund ein Jahr lang arbeiteten zahlreiche wissenschaftliche und administrative Mitarbeitende beider Universitäten an dem Antrag. Auch der Austausch mit den Studierenden wurde gesucht. Gute Chancen auf den Status Exzellenzuniversität haben Hochschulen und Verbünde, die mit einer überzeugenden Gesamtstrategie überzeugen, mit der sie sich im regionalen, nationalen und insbesondere internationalen Umfeld besser positionieren können. Das gilt nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Bereiche Lehre, Transfer und Forschungsinfrastrukturen.

Für die kommende Förderphase stellen Bund und Länder jährlich insgesamt 208 Millionen Euro bereit. Die Aufstockung um 60 Millionen Euro im Vergleich zur laufenden Förderphase ermöglicht es, ab 2027 bis zu 15 statt bisher 11 Standorte zu fördern.

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. November 2025. (20.11.2025).

Fluchtgeschichten Raum geben  

Wanderausstellung „Es ist nicht leise in meinem Kopf“ an der Oldenburger Universität 

Vom 13. Oktober bis 11. November können Interessierte die Ausstellung des Flüchtlingsunterstützerkreis Schwarzenberg im Gebäude A14 der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg besuchen. Großformatig sind dort Bilder zu sehen und Geschichten von geflüchteten Menschen zu lesen, über ihre Flucht, den Verlust, das Ankommen und alles, was dazu gehört. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist frei. 

35 Bilder und Interviews erzählen den Besucherinnen und Besuchern von Krieg, Sehnsüchten, Neuanfang. Die porträtierten Personen sind aus verschiedenen Ländern, wie Afghanistan, Somalia, Marokko, Kamerun, Syrien und vielen mehr. 

Auch Infografiken sind vorhanden, die Aufklärung zu Fluchtrouten nach Europa und Zahlen rund um Flucht beleuchten.  

Die Ausstellung wurde 2023 von Lenore Lobeck in Zusammenarbeit mit Ishema Kane und dem Flüchtlingsunterstützerkreis Schwarzenberg entwickelt. Sie ist mittlerweile zum 20. Mal unterwegs und macht diesen Herbst Station in Oldenburg. Im Zentrum stehen die Stimmen und Erfahrungen von Menschen auf der Flucht: ihre Ängste, Hoffnungen und die oft überhörten Realitäten ihres Alltags. Ausgangspunkt war eine zentrale Frage: Wer weiß überhaupt etwas über das Leben und die Ängste von Geflüchteten? Die Ausstellung zeigt auf, dass Flucht kein freiwilliger oder leichtzunehmender Entschluss ist. Die Gründe sind vielfältig und gleichermaßen unaushaltbar: Gewalt, Krieg, Unterdrückung, Verfolgung, Naturkatastrophen. Und auch das Ankommen ist ebenso schwer. So schreibt Leonore Lobeck: „In Europa angekommen, fallen für kurze Zeit alle Ängste ab. […] Die Europäische Union und Deutschland verschärften seit 2015 kontinuierlich die Asylgesetze, die auf Abschiebung, Ausgrenzung und Abschottung zielen. […] Die Verpflichtungen überfordern die Schutzsuchenden und potenzieren deren Schmerzen. Es kann nicht leise sein in ihren Köpfen.“

So erzählt Emmanuel, 32 Jahre alt, aus Kamerun Lobeck und Kane von seiner Verhaftung nach einer Teilnahme an einer Demonstration: „Wenn du gegen die Politik bist, suchen sie dich und sie machen dich tot. […] [W]enn du im Gefängnis bist, niemanden hast, musst du bleiben. Es gibt keine Gesetze. Die Leute vergessen dich.“ Er berichtet auch über Deutschland, über Rassismuserfahrungen im Alltag, im Bus und im Supermarkt, und darüber, dass er immer wieder in eine Schublade gesteckt wird. Wie Emmanuel hat auch Hasan, 35 Jahre alt, Zuflucht in Deutschland gefunden: „2016 war es schwer in Stollberg. Wir kannten die Sprache nicht. Auf der Straße waren Demos gegen Ausländer. Wir hatten Angst. Jetzt haben wir viele Freunde und Kollegen. Wir verstehen Deutsch. Wie sind angekommen. Jetzt zeigen wir denen, was wir können.“ 

Der Flüchtlingsunterstützerkreis Schwarzenberg kennt die Nöte, Sorgen und Bedarfe der Geflüchteten. Ziel der Ausstellung sei es, mit den verschiedenen Geschichten Einblicke in das Leben von Geflüchteten zu geben, um damit Verständnis und Verständigung zu schaffen. 

2023 ist bei dem Verlag fabrik.transit das zweibändige Buch „Es ist nicht leise in meinem Kopf. Zufällig in Schwarzenberg“ erschienen. Der Hauptband beinhaltet die Fotos, Interviews und Grafiken, die bei der Ausstellung zu sehen sind. Der Begleitband beschäftigt sich mit Flucht und Ankommen, gibt Informationen zum Asylverfahren sowie zu den verschiedenen Ländern. Ein Buch, das Verständnis fördert und Vorurteilen begegnet. Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt. 

Die Wanderausstellung „Es ist nicht leise in meinem Kopf“ wird präsentiert durch den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität Oldenburg.

Weitere Informationen zum Buch und zur Ausstellung finden Sie unter: https://www.esistnichtleise.de/

Veröffentlicht: Extrablatt. Uni/Gastro Oldenburg. Herbst/Winter 2025.

Die Notwendigkeit des Vorlesens

Meine früheste Erinnerung an das Theater und der Beginn meiner bis heute andauernden Faszination begann im Märchentheater. Weite, bunte Kostüme, Schlösser und Bauernstuben, Drehbühnen und ganz viel Magie zogen mich in ihren Bann. Gebürtig aus der Brüder-Grimm-Stadt Hanau fieberte ich an der Kante meines Sitzes mit Dornröschen, die sich an der Spindel stach, mit Schneewittchen, die in den vergifteten Apfel biss, und mit dem tapferen Schneiderlein, das durch listige Taten den Riesen an der Nase herumführte. Märchen nahmen früh eine Rolle in meinem Leben ein, ob auf der Bühne, im Sonntagmorgen-Fernsehprogramm oder wenn meine Eltern sie mir vorlasen oder frei erzählten.

Am 21. November jährt sich der bundesweite Vorlesetag. Ein Anlass, sich daran zu erinnern, wie wichtig das Erzählen und Vorlesen geblieben ist. Vorlesen ist eine der ältesten und zugleich wirkungsvollsten Formen der Sprach- und Kulturvermittlung. Es schafft eine Brücke zwischen Generationen und Welten. Beim Vorlesen entsteht ein Moment der gemeinsamen Aufmerksamkeit, in dem Stimme, Rhythmus und Fantasie Worte lebendig werden lassen. Kinder hören zu, fühlen mit und entfalten ihre Vorstellungskraft.

Zugleich fördert das Vorlesen Bildung und Empathie: Es erweitert den Wortschatz, stärkt das Sprachverständnis und öffnet emotionale wie gedankliche Räume. Geschichten machen erfahrbar, was sonst abstrakt bliebe, und regen dazu an, sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen. So ist das Vorlesen nicht nur ein pädagogisches, sondern auch ein zutiefst menschliches Ritual des Teilens, das Gemeinschaft stiftet. Ebenso wie es das Theater immer wieder tut.

Diese frühen Erlebnisse mit den Märchen und dem Theater haben mich geprägt. Vielleicht zieht mich gerade deshalb bis heute jedes Weihnachtsmärchen aufs Neue in seinen Bann. In diesem Jahr erzählt das Oldenburgische Staatstheater mit »Die Schöne und das Biest« von einer Liebe, die über den äußeren Schein hinausblickt, von Mut, Güte und innerer Schönheit, und bringt den alten französischen Stoff auf humorvolle Weise durch zwei erzählende Feen, Mr. Pink und Cécile, und ihren rostfreien, wetterfesten, gehirnzapfenden Gedankenfänger zu neuem Leben. 

Märchen sprechen uns noch heute an, weil sie in Bildern erzählen, was viele Menschen bewegt: kindliche Faszination, das Überwinden von Angst und die Hoffnung, dass das Gute am Ende siegt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. November 2025/26.(30.10.2025). 

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell

Deutsch von Katharina Schmitt

PREMIERE: Sonntag, 30.11. | 15:00 Uhr | Großes Haus 

Vorstellungen: 1.12., 2.12., 3.12., 5.12., 6.12., 7.12., 8.12., 9.12., 10.12., 11.12., 12.12., 14.12., 15.12., 16.12., 17.12., 18.12., 21.12., 23.12., 26.12., 29.12., 4.1.

Regie: Krystyn Tuschhoff | Bühne und Kostüme: Anike Sedello | Musik: Jan Wilhelm Beyer | Licht: Arne Waldl | Dramaturgie: Matthias Grön, Annika Müller | Theatervermittlung: Liliane Bauer

Mit: Florian Heise, Esther Berkel, Sofie Junker, Pippa Fee Rupperti, Franziska Werner, Gerrit Frers, Michel Brandt, Darios Vaysi 

#Tag der OKJA: Oldenburger Freizeitstätten öffnen ihre Türen 

Offene Kinder- und Jugendarbeit lädt junge Menschen und Erwachsene zu Aktionswoche ein

Vom 24. bis 26. September veranstaltet die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) den #Tag der OKJA. Zwölf Freizeitstätten öffnen in der Aktionswoche für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Türen. Die Einrichtungen, von denen einige in städtischer und andere unter freier Trägerschaft stehen, sind im gesamten Oldenburger Stadtgebiet verteilt und haben jeweils eigene Programme für die Woche Ende September erarbeitet. 

Die Freizeitstätte der AWO, Frisbee, veranstaltet am Mittwoch, 24. September, von 15 bis 18 Uhr ein Kinderspielfest mit Bewegungsspielen, wie Basketball, Fußball, Seilspringen und Sackhüpfen. 

Am Donnerstag, 25. September, laden Mädchentreff und Cafta zum Besuch ein. Im Mädchentreff findet der Tag der offenen Tür von 14 bis 19 Uhr statt. Besucherinnen und Besucher können hier einen Einblick in die Arbeit vor Ort erhalten. Snacks, Getränken, eine Carrera-Bahn und „MariaKart“ werden ebenso geboten wie viele Möglichkeiten zum Austauschen und Netzwerken. Die Cafta in Kreyenbrück öffnet die Türen für alle Interessierten neben den regulären Öffnungszeiten am Donnerstag ab 17 Uhr und bietet bis 19 Uhr an der Feuerschale Vegetarisches und Mahlzeiten vom Grill an.

Am 26. September können weitere Einrichtungen besucht werden: Der Abenteuerspielplatz lädt von 14 bis 17:30 Uhr zu Mitmachaktionen ein, darunter Stockbrotbacken und die Herstellung von Badesalz. Auch die Freizeitstätte Ofenerdiek beteiligt sich mit einem Tag der offenen Tür zwischen 13 und 16 Uhr und stellt ihre Arbeit vor. In der Freizeitstätte Osternburg findet der Tag der offenen Tür von 14 bis 20 Uhr statt. Als besonderes Angebot erwartet die Besucherinnen und Besucher dort von 16.30 bis 18.30 Uhr ein gemeinsames Grillfest. 

Die Villa am Wieselweg startet ihr Programm ab 14:30 Uhr mit einem Karaoke-Angebot. Unter dem Motto „Karaoke für alle“ beteiligt sich auch die Freizeitstätte Bürgerfelde. Dort kann von 17 bis 19 Uhr gesungen werden. Interessierte Gäste sind auf diese Weise in allen Einrichtungen eingeladen mehr über die freie Kinder- und Jugendarbeit zu lernen. 

Die OKJA ist ein Arbeitsfeld der sozialen Arbeit. Sie eröffnet vielfältige Angebote, die sich an den Interessen, Bedarfen und den Lebenswelten von jungen Menschen orientieren. Sie laden zur eigenen Gestaltung und Selbstbestimmung ein, tragen zur Förderung der persönlichen Entwicklung und unter anderem durch partizipative Projekte zur Demokratieförderung bei. Die Bundesarbeitsgemeinschaft OKJA hat 2023 die Kampagne zum #Tag der OKJA gestartet und damit in den letzten Jahren bereits mehrere hundert Einrichtungen und Träger bundesweit erreicht.

Weitere Informationen zum #Tag der OKJA finden Sie unter: www.oldenburg.de/gemeinwesenarbeit

Veröffentlicht: MoX Veranstaltungsjournal. September 2025. (24.09.2025).

Gegen die Gewohnheit – Oder was Salbei mit Uraufführungen zu tun hat 

Vor kurzem habe ich etwas Neues ausprobiert: Ich habe meine Wohnung ausgeräuchert. Mit weißem Salbei bin ich den bösen Geistern zu Leibe gerückt. Ich kroch in die Ecken, streckte mich nach oben, um jeden Winkel zu erwischen, riss Türen und Fenster auf und murmelte: „Alles, was mir nicht dient, darf gehen.“

Nun könnte man meinen, das sei ein höchst ungewöhnliches Verhalten für mich. Schließlich bin ich alles andere als esoterisch veranlagt. Mit Geistern oder negativen Energien habe ich bisher weder geredet noch gegen sie gekämpft. Warum also das Ganze? Ganz einfach: Zum Geburtstag bekam ich ein Bündel weißen Salbei geschenkt. Da ich nicht wusste, was man damit anfängt, googelte ich es und folgte einem YouTube-Video. Und siehe da: Vielleicht hatte ich sogar ein wenig Spaß. Eine schelmische Freude kitzelte in meinen Mundwinkeln, weil ich wusste, dass ich gerade etwas tat, was niemand, nicht einmal ich selbst, von mir erwartet hätte.

Dabei wurde mir eines klar: Es liegt eine besondere Freude darin, wenn man sich überwindet, etwas Neues zu tun und feststellt, dass es einem gefällt. Denn der erste Schritt ist fast immer der schwerste. Im Alltag jedoch greifen wir gern zu Bekanntem. Abends verbringe ich nicht selten eine halbe Stunde damit, über Serien und Filme nachzudenken, nur um schließlich wieder eine alte Lieblingsfolge zu schauen, die ich schon ein Dutzend Mal gesehen habe. Warum? Weil Vertrautheit Sicherheit und Trost bietet. Wiederholung schafft Geborgenheit, Nostalgie, Entspannung. Neue Erfahrungen hingegen sind unvorhersehbar und fordern uns heraus.

Und was hat das mit Theater zu tun? Sehr viel. Auch hier zieht es uns zu den Klassikern: Shakespeare, Goethe, Storm. Titel, die wir kennen, geben uns das Gefühl, vorbereitet zu sein. Selbst wenn jeder Theaterabend einzigartig ist, kennen wir doch die Geschichten und ihre Wirkung. Es wird spannend, herzzerreißend, romantisch oder komisch. Bisher ungehörte Texte hingegen sind wie eine Blindbox: Wir wissen nicht, was uns erwartet.

Genau darin liegt die Besonderheit von Uraufführungen. Für Autor:innen bedeutet es, ihr neuestes Werk erstmals dem Publikum anzuvertrauen. Schauspieler:innen sprechen Sätze, die noch nie zuvor auf einer Bühne erklangen. Und das Publikum betritt unbekanntes Terrain: kein vertrauter Stoff, kein klassischer Plot, keine Gewissheit. Aber gerade das macht den Reiz aus. Wer eine Uraufführung besucht, erlebt den Moment, in dem etwas zum allerersten Mal sichtbar wird. Es braucht Mut, sich darauf einzulassen, doch dieser Mut birgt das Potenzial, mit einem Lächeln nach Hause zu gehen.

Weil ich kürzlich mit einem Salbeibündel hinter meiner Couch hing, möchte ich euch ermutigen: Traut euch, neue Texte zu entdecken. Der Autor Lars Werner beschäftigt sich in seinen Stücken immer wieder mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Für das Oldenburgische Staatstheater schrieb er das Auftragswerk »Das Ende des Westens«. Nun feiert am 15.11. in der Exhalle die Uraufführung seines neuen Stückes Premiere. »Das Ende des Westens« ist ein Theaterstück über Desinformation als Waffe und darüber, wie Realität sich in Lüge verwandeln lässt. Dabei verschwimmen persönliche Traumata, politische Intrigen und digitale Manipulationen zu einer Geschichte, in der die Frage bleibt: Was ist noch wirklich real? Wer ist noch wirklich real? Auf der Bühne verschränken sich Schauspiel, Sensorik und interaktive Visualisierungen mit zu einer immersiven Erfahrung. Das Publikum ist eingeladen, nicht nur zuzuschauen, sondern sich selbst in den Netzen der digitalen Erzählmaschine wiederzufinden. 

Veröffentlicht: Oldenburgisches Staatstheater. Theaterzeitung. Oktober 2025/26.(26.09.2025).                                                                                             

DAS ENDE DES WESTENS

Schauspiel von Lars Werner

PREMIERE: Samstag, 15.11. | 20:00 Uhr | Exhalle

Vorstellungen: 22.11., 27.11., 28.11., 4.12., 5.12., 7.12., 11.12., 12.12., 16.12., 18.12., 19.12., 29.12.

Regie: Łukasz Ławicki | Ausstattung: Nina Aufderheide | Dramaturgie: Reinar Ortmann, Pau Hoff

Mit: Konstantin Gries, Tobias Schormann, Katharina Shakina, Tamara Theisen